Vom 12. bis 21. August 1927 findet das 2. Internationale Flugmeeting  in Zürich-Dübendorf statt. Der Flugplatz Dübendorf gilt als Wiege der Schweizer Luftfahrt. Dazu trugen insbesondere die 1922, 1927, 1932 und 1937 vom Aero-Club der Schweiz durchgeführten internationalen Flugmeetings bei, anlässlich derer die besten Piloten in sportlichem Wettbewerb das jeweils neueste Flugmaterial vorführten und so Hunderttausende von Zuschauern, aber auch eine internationale Fachwelt nach Dübendorf lockten.

Holland ist ebenfalls durch eine Fliegergruppe vertreten. Der Rückflug in die Niederlande fand bei sehr schlechten Wetterbedingungen statt. Vlieger-Kapitän Adolf Karel Steup, musste bei Kaiserstuhl notlanden, während Sergeant Mutsaers bei Koblenz notlanden musste. Die Insassen beider Maschinen blieben unverletzt. Das Flugzeug von Sergeant Mutsaers wurde beschädigt, das Flugzeug von Kapitän Steup blieb intakt. Die übrigen drei Flugzeuge, gesteuert von Leutnant Sandberg und Schott und Sergeant-Major Bakkenes, trafen um 3.15 Uhr auf dem Flugplatz am Soesterberg ein.

Adolf Karel Steup wird am 22. November 1887 in Banjoebiroe (Banyubiru) in Central-Java, Indonesien geboren, als Sohn des Ferdinand Wilhelm George Carl Louis Steup und seiner Ehefrau Caroline Josine, geb. Lange. Sein Vater Wilhelm war Offizier in der Königlich Niederländischen Ost Indien Armee (KNIL) in Soerabaja (Surabaya) in West-Java, Indonesien.

Bereits 1912 erhielt er seinen Flugschein, seine Ausbildung zum Militärflieger beginnt am 1. Juli 1914 unter dem Kommando des damals berühmten Leutnants van Heyst. Später war A.K. der der erste Militär-Kommandant des Amsterdamer Flughafens Schiphol. 1958 trägt eine Straße am Flughafen seinen Namen.

Am 26. Juni 1923 heiratet er in Amsterdam Carlij Herberdine Everdine Auguste Corveij, Tochter des Hauptredakteurs Corveij von dem in Holland erscheinenden Wochenblatt ,,Het Leven" („Das Leben").

1928 wird er als Ritter in den Orden von Oranien-Nassau aufgenommen.

Er stirbt am 25 März 1959 mit 71 Jahren in Breda.

In den "Neuen Zürcher Nachrichten" erscheint am 19. August 1927 nachfolgender Bericht über das Geschehen:

Der unterbrochene Alpenflug

Dübendorf, 18. Aug.
Als in den heutigen ersten Morgenstunden aus den Alpen gute Witterungsberichte einliefen, glaubte das Organisationskomitee des Flugmeetings den tags zuvor beschlossenen Start zum internationalen Alpenrundflug nicht länger aufschieben zu dürfen. So starteten denn gestern von halb 6 bis 8 Uhr — wie bereits gestern gemeldet wurde — sämtliche am Alpenrundflug betetligten in- und ausländischen Militärpiloten, im ganzen 25, (dies auch zur Richtigstellung einer später eingetroffenen ag.-Meldung, die irrtümlicherweise berichtete, daß nur ein Teil der Maschinen gestartet sei), ferner das französische und das deutsche Verkehrsflugzeug und Mittelholzers mit 7 Passagieren hors concours fliegende Dorniermaschine.

Ein plötzlicher Wetterumschwung, zwischen 7 und 8 Uhr, der besonders im Alpengebiet und im Tessin sehr unerquickliche und für die Fortsetzung der Konkurrenz sehr gefährliche Verhältnisse schuf, nötigte dann zu einer sofortigen Sistierung des Alpenfluges.

Im Laufe des heutigen Nachmittages nahm die Jury zu der Lage der Dinge Stellung und beschloß, den auf den verschiedenen Flugplätzen, in Thun und Bellinzona, gelandeten Fliegern Ordre zu geben, im Laufe des Freitag nach Dübendorf zurückzukehren und am Samstag nochmals zum Alpenrundflug zu starten mit Verschiebungsmöglichkeit auf Sonntag.

Ueber das Schicksal sämtlicher Flugzeuge sind im Verlaufe des heutigen Donnerstag beruhigende Berichte in Dübendorf eingetroffen. Acht Konkurrenten flogen bis Thun, 6 wagten den Flug über die Alpen und sind in Bellinzona niedergegangen, 5 kehrten nach Dübendorf zurück, drei notlandeten in der Schweiz und zwei im Ausland. Von Pech verfolgt waren besonders einige bekannte Schweizer Flieger, darunter auch der Sieger des ersten Alpenfluges von 1922, Hptm. Bärtsch, der nach dem Abflug von Dübendorf in Eggiwil im Emmental eine Notlandung vornehmen mußte. Bös verflogen hat sich im Wolkenmeer, das über dem Alpenmassiv lagerte, der Schweizer Pilot Hptm. Ackermann, von dem man nach seinem Abflug von Thun längere Zeit ohne Nachricht blieb; mit etwelcher Besorgnis sah man den weitern Nachrichten entgegen, bis dann etwas nach 3 Uhr nachm. die Nachricht eintraf, daß er in Bozen gut gelandet sei. Kurz nach dem Dübendorfer Start war der zuerst abgeflogene Schweizer Lt. Schäfer wegen einer Motorpanne zu einer Notlandung auf dem Aarauer Exerzierplatz genötigt. Mit Ackermann teilte sich der Italiener Serrain den Rekord eines reglementswidrigen Fernfluges, indem er kurzerhand die Alpen und das Tessiner Nebelmeer, unter dem der Bellenzer Flugplatz unsichtbar verborgen lag, überflog und im heimatlichen Flughafen von Mailand landete, nach einer Zwischenlandung in Bozen. Die beiden Flieger Comte und Eartier, die außer Konkurrenz mitmachen, stehen in Thun. Der Tscheche Divis meldete von Chur, daß er dort gut gelandet sei. Er flog dann später nach Dübendorf zurück. Ein ganzer Pechvogel war dann vor allem das um den Coupe Chavez-Bider konkurrierende französische Verkehrsflugzeug mit Kapitän Arrachard am Steuer. Mangelhafte Oelzufuhr nötigte es schon zehn Minuten nach dem Dübendorfer Start zur Umkehr nach dem Flugplatz, worauf es dann auf einen zweiten Stark verzichtete. Das Junkersverkehrsflugzeug mit Pilot Roeder flog vorschriftsmäßig nach Lausanne, von wo es nicht mehr weiter kam. Auch Mittelholzer, dem seine mit sieben Passagieren bemannte Maschine unter den herrschenden Schlechtwetterverhältnissen eine Landnng in Lausanne nicht ratsam erscheinen ließ kehrte schon um halb 9 Uhr morgens wieder nach Dübendorf zurück. So war der Stand der Dinge, als die Jury Beschluß zu fassen hatte. Die Lösung des verworrenen Knäules war eine harte Nuß und die Besprechungen hierüber füllten einen großen Teil des Tages aus. Es war ursprünglich geplant, den Flug am nächsten schönen Tag einfach fortzusetzen und die bereits geflogenen Zeiten anzurechnen, wobei es aber den bereits unter erschwerten Verhältnissen nach Bellinzona geflogenen Piloten freigestanden hätte, den Flug Thun-Bellinzona noch einmal zu wiederholen und unter Umständen eine bessere Zeit herauszubringen. Gegen diese Lösung protestierten die in Bellmzona gelandeten Flieger. Das Komitee entschloß sich dann, den ganzen Alpenrundflug noch einmal am Samstag wiederholen zu lassen, was zweifellos die radikalste, aber auch glücklichste Lösung bedeudet. Dadurch werden Ungleichheiten vermieden und allen Konkurrenten noch einmal die gleichen Chancen gegeben. Nachfolgende Liste sin der Reihenfolge des Startes gibt genaue Auskunft über den Stand dieses ersten mißglückten Alpenflugtages, dessen unfallloser Verlauf immerhin eine großartige Fliegerleistung bedeutet, besonders jener Piloten, denen der Flug nach Bellmzona trotz allen Wetterunbillen geglückt ist.

1. Lt. Schäfer (Schweiz), Notlandung in Aarau.
2. Cap. Baldi (Italien), Dübendorf-Thun-Dübendorf
3. Lt. Cichocki (Polen), Dübendorf-Thun-Bellinzona.
4. Cap. Steup (Holland), Dübendorf-Thun-Dübendorf
5. Oblt. Gerber (Schweiz), Dübendorf-Thun-Bellinzona
6. Hptm. Wuhrmann (Schweiz), Dübendorf-Thun-Bellinzona
7. Oblt. Bornet (Schweiz), Dübendorf-Thun-Dübendorf
8. Cap. Malkovskh (Tschech.), Dübendorf-Thun-Bellinzona
9. Hptm. Ackermann (Schweiz), Dübendorf-Thun und Notlandung in Bozen
10. Cap. Gradichnik (Jugosl.), Dübendorf-Thun-Bellinzona
11. Oblt. Schott (Holland), Dübendorf-Thun-Bellinzona
12. Oblt. O'Konor (Schweden), Dübendorf-Thun-Dübendorf
13. Ten. Serra (Italien), Dübendorf-Thun und Notlandung in Mailand
14. Hptm. Bartsch (Schweiz), Dübendorf ab und Notlandung in Eggiwil
15. Cap. Divis (Tschech.), Dübendorf-Thun und Notlandung in Chur

(16. und 17. fallen aus)

18. Oblt. Karnach (Schweiz), Dübendorf-Thun
19. Lt. Burkhardt (Schweiz), Dübendorf-Thun
20. Lt. Pajewitsch (Jugosl.), Dübendorf-Thun
21. Cap. Vidale (Jugosl.), Dübendorf-Thun
22. Hptm. Kniazikowski, Dübendorf-Thun
23. Hptm. Snafel (Tschech.), Dübendorf-Thun

Hors concours :
24. Oblt. Comte (Schweiz), Dübendorf-Thun
25. Hptm. Cartier (Schweiz), Dübendorf-Thun.
 
Verkehrsflugzeuge:
Roeder (Junkers Deutschl.), Dübendorf-Lausanne

Arrachart (Breguet Frank.), nach Dübendorf zurück wegen Motorstörung