Rudolf Steup wird am 24.2.1898 in Wabern geboren, als Sohn des Wilhelm Steup aus Eichenstruth und seiner Ehefrau Wilhelmine geb. Schneider aus Gemünden. Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Wiesbaden, welches er am 10.11.1916 mit dem Zeugnis der Reife verließ.

Trat dann in den Heeresdienst ein und kämpfte zuletzt beim Inf.-Regiment Nr. 462 an der Westfront. Am 25.9.1918 wurde er mit Patent vom 1.10.1918 zum Leutnant der Reserve befördert, nachdem er vorher mit dem EK II ausgezeichnet worden war.

Nach Beendigung des 1.Weltkrieges widmete er sich an den Universitäten zu Gießen und Frankfurt a. Main dem Studium der Rechts- und Finanzwissenschaft, bestand im Mai 1921 beim Oberlandesgericht in Frankfurt a. Main mit gutem Erfolg die erste juristische Staatsprüfung, wurde zum Referendar ernannt und promovierte am 24.5.1922 zum Doktor der Rechte.

Das Doktor-Diplom hat folgenden Wortlaut:

               

Unter dem Rektorat des Professors der Hygiene und Bakteriologie

Geheimen Medizinalrates Dr. Max Neißer

verleiht die Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt a. M.

durch ihren Dekan Dr. Ernst Levy, Professor der Rechte

Herrn Rudolf Steup aus Wabern

auf Grund seiner Arbeit

Über Rechtsbeziehungen kaufmännischer Angestellten bei Beteiligung am Unternehmergewinn

nach bestandener Prüfung

Titel und Würde Eines

Doktors der Rechte


Vollzogen zu Frankfurt a. M., am 24. Mai 1922
L. S. gez. Dr. Ernst Levy1)

Am 7.12.1923 bestand er in Berlin die große juristische Staatsprüfung und wurde zum Gerichtsassessor befördert. Es folgte seine Ernennung zum Amts- und Landrichter und anschließend seine Beförderung zum Amtsgerichtsrat beim Amstgericht in Wiesbaden.

Er verheiratete sich im Januar 1928 mit Thea Schmidt aus Wiesbaden. Die Ehe blieb kinderlos.

Bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde er wieder zur Wehrmacht eingezogen, zum Hauptmann befördert und fand zunächst Verwendung im Heimatdienst. Ab 1941 kämpfte er an der Ostfront, wurde bei Charkow mehrfach verwundet und kam zur Heilung seiner Wunden in ein Heimatlazarett. Nach seiner Wiederherstellung und Gesundung wurde ihm die Führung eines Infanterie-Bataillons in Mannheim übertragen. Mit diesem unter Beförderung zum Major nach Rußland zur Bekämpfung der Partisanenbanden geschickt, kämpfte er zuletzt in Kurland, wo seine Truppe vom Heimatland abgeschnitten wurde. Noch kurz vor Kriegsschluß gelang ihm zu Schiff der Abtransport seiner Truppe übers Meer nach Holstein. Dort geriet er beim Waffenstillstand am 8.5.1945 in englische Gefangenschaft, aus der er im Herbst 1945 entlassen wurde. Er erhielt die Spange zum EK II. und wurde mit dem Kriegsverdienstkreuz II. und I. ausgezeichnet.

Nach seiner Heimkehr wieder im Justizdienst beschäftigt, versah er als Amtsgerichtsrat die Amtsgerichte in Eltville und in Rüdesheim a. Rhein und war später wieder als solcher beim Amtsgericht in Wiesbaden tätig.

1953 wurde er zum Landgerichtsdirektor in Wiesbaden befördert. Daneben ist er als Richter Vorsitzender im Beschwerdeausschuß II. Instanz für Hessen über Entscheidung um Zulassung zur ärztlichen Kassenpraxis.

 

1) Ernst Levy wurde nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg von 1915 bis 1918 im Jahre 1919 ordentlicher Professor in Frankfurt am Main und wechselte 1923 nach Freiburg. Ab 1928 war er Professor in Heidelberg. Aus diesem Amt wurde er 1935 wegen seiner „nichtarischen“ Herkunft entfernt. 1936 musste Levy in die USA emigrieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mit Ehrendoktorwürden der Universitäten Heidelberg, Frankfurt am Main und Athen ausgezeichnet. 1956 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz.
 
 
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