Reinhold Bicher wird am 25. Februar 1895 in Förde-Grevenbrück geboren, als Sohn des Schreinermeisters Wilhelm Bicher und seiner aus Bilstein stammenden Ehefrau Jenny geb. Bayer. Er wird als zweites von 14 Kindern geboren, von denen 7 das Erwachsenenalter erreichen.

1914 nimmt er am ersten Weltkrieg teil und zeichnet an seinen Stationierungsorten auf dem Balkan, in Belgien und Frankreich Landschaften, Häuser und Menschen, nur selten ist der Krieg Thema.

1920 besucht er die Werkkunstschule in Magdeburg und nach 4 Semestern gewinnt er über einen Malwettbewerb ein Stipendium an der Kunstakademie in München. Von 1922 bis 1926 studiert er in München, die letzten Semester als Meisterschüler von Karl Caspar[1]. Er beherrscht jetzt die Ölmalerei und studiert anschließend bei Max Dörner[2] Freskomalerei und macht Radierungen. Während seiner Studienzeit wird seine schwierige materielle Lage mehrfach durch Gönner aus Förde finanzell unterstützt.

1942 heiratet Reinhold die am 1. Dezember 1908 geborene Lotte Steup aus Freiburg, Tochter des aus Illfurth stammenden Anton Wilhelm Steup und seiner Ehefrau Luise Hedwig, geb. Hauß. Ihr Vater war Besitzer eines Phonolithwerkes mit Zementwaren-Industrie zu Oberrotweil am Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau. Dieser zog sich ein Lungenleiden zu und starb am 15. März 1919 im Alter von 42 Jahren.

Von 1956 bis 1967 arbeitete Reinhold als Kunsterzieher am Gymnasium Altenhundem.

Reinhold stirbt am 30. September 1975 im Alter von 80 Jahren in seinem Lebensort Grevenbrück, seine Ehefrau Lotte stirbt nach Überschreitung ihres 101. Geburtstages am 21. Februar 2010.

 

 

[1] Karl Caspar (* 13. März 1879 in Friedrichshafen; † 21. September 1956 in Brannenburg) war ein deutscher Maler, der vornehmlich in München lebte und arbeitete. In den Jahren 1922 bis 1937 war er Professor an der Münchner Akademie. In der am 19. Juli 1937 in München eröffneten Ausstellung „Entartete Kunst“ wurden auch Werke von Karl Caspar gezeigt. In der Folgezeit wurden seine christlich inspirierten, von Impressionismus und Expressionismus gleichermaßen beeinflussten Gemälde und Grafiken aus deutschen Museen und öffentlichen Sammlungen entfernt und/oder vernichtet. Er sah sich deshalb gezwungen, ein Gesuch um Rücktritt aus dem Lehramt einzureichen; während einer Abwesenheit wurde seiner Frau „sein“ Antrag auf vorzeitige Versetzung in den Ruhestand diktiert, dem zum 24. November 1937 stattgegeben wurde. Nach einem körperlichen Zusammenbruch begann er 1939, sich mit seiner Familie in das bisherige Ferienhaus in Brannenburg zurückzuziehen.
1946 erfolgte seine Wiederberufung als Professor an die Münchener Akademie. 1948 zählte er zu den Gründungsmitgliedern der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Im selben Jahr nahm er an der Biennale in Venedig teil. 1950 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1952 zusammen mit seiner Frau den erstmals vergebenen Oberschwäbischen Kunstpreis. 1955, ein Jahr vor seinem Tod, wurde er Mitglied in der Akademie der Künste Berlin.

[2] Max Wilhelm Doerner (* 1. April 1870 in Burghausen/Oberbayern; † 1. März 1939 in München) war ein deutscher Maler und Restaurator und Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München. Während seiner Studienaufenthalte in Holland und Italien setzte er sich mit den Techniken der alten Meister der Malerei auseinander und studierte besonders die Technik der Freskenmalerei in Pompeji. Seine Forschung veränderte grundlegend die bisherige Vorgehensweise der Restaurierung, indem sie sich darum bemühte, die originale Substanz eines beschädigten Kunstwerkes zu erhalten. Seine Veröffentlichung Malmaterial und seine Verwendung im Bilde (München 1921) darf als erstes Standardwerk auf diesem Gebiet angesehen werden und hat sich weltweit verbreitet.
1911 wurde Doerner Dozent für Maltechnik an der Münchener Akademie, 1921 erfolgte die Ernennung zum Professor. 1937 wurde die „Staatliche Prüf- und Forschungsanstalt für Farbentechnik“ (auch „Werkprüfungs- und Forschungsanstalt“) in München als Reichsinstitut für Maltechnik gegründet, deren Leitung er übernahm. Dieses Institut existiert auch heute noch und heißt nach dem Gründer Doerner Institut; es ist seit 1946 den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert.