Das Amt Beilstein

Im Jahr 1783 verfasste der Beilsteiner Amtmann (1782–1790) Johann Gerhard Franz Chelius in 22 Kapiteln eine Beschreibung seines Amtes mit einem Anhang "Physikalische Beschreibung des Amtes". Das Amt Beilstein reichte damals auf dem Westerwald bis Marienberg und Langenbach. In Münchhausen bildete der Ulmbach die Grenze zum benachbarten Amt Driedorf, das zu Nassau-Dillenburg gehörte, wodurch dieser Ort verwaltungsmäßig in zwei Teile getrennt war.

Das Original dieser Amtbeschreibung liegt im Staatsarchiv in Den Haag, denn die Niederländische Königin  trägt als Nachfahrin der Linie von Nassau-Diez noch den Titel "Herrin von Beilstein".

Von der Herrschaft Beilstein überhaupt und wie dieselbe an das Haus Nassau gekommen

§1
In einer diplomatischen Staats-Geschichte von Nassau, würde es unter anderm eine nötige, dabey aber schwer zu erörternde Frage seyn, woher die Herrschaft Beilstein originire, und wie sie an das Haus Nassau gekommen seye.

§2
Henrich der Reiche, der gemeine Stamm-Vater der noch jetzt blühenden Nassauischen Häusern, hat solche wahrscheinlich noch nicht gehabt, und gehet solches aus der Theilungs Urkunde De 1255 kraft deren sie dessen Sohn Otto zugefallen seyn würde, hervor, allein es heiset in selbiger :

"Otto qui fungens Etictione he transtulit ad partem Comitatus de Nassau = in qua oppidae Siegen, Herborn, Dillenburg, novum Castrum hita sunt p,p,"

und wird also von einem Beilstein nichts gedacht.

Verzeichnis derer zum Amte Beilstein gehörigen Dörfern, Höfen und Mühlen, zu welchem Kreis es gehöre und von dessen Lehnbarkeit. Beschreibung seiner Lage, Landesbeschaffenheit und was darinn producirt wird

§1
Das Amt Beilstein gehöret zum Chur – andere sagen zum Oberrheinischen Kreis, und ist theils Cöllnisch, theils Trierisch Lehn, theils Allodial, zum ersten gehören die 3 Oberkirchspielen, ausgenommen der Ort Liebenscheid, welcher Trierisches Lehn ist, und die 3 Unter Kirchspiele sind allodial.
§2
Es grenzet gegen Morgen an das Dillenburgische und Greifensteinische, gegen Mittag an das Weilburgische, gegen Abend an das Hadamarische, gegen Mitternacht an das Hachenburgisch und Sayn Altenkirchische, hat 9 Stunden in der Länge, und 3 Stunden in der Breite.

Von Herrschaftlichen Bedienten

§1

Im Amte befinden sich nachfolgende Bedienten :

  • Der Beamte unter dem Kar???ter eines Raths, mit seinem Actuarius
  • Der Rentmeister 
  • Der Oberförster
  • Vier Amtsjäger
  • Vier Unterförster 
  • Wegaufseher Hartmann
  • Steindecker Schmitt

Der Beamte bewohnt das eigentliche Schloß, der Rentmeister hingegen den sogenannten neuen Bau, der Oberförster aber die Johannsburg .

Von denen im Amte befindlichen Domanial Höfen und adlichen Güthern.

§1
In dem Amte befinden sich keine adelichen Güter, jedennoch sind in Hairner Gemarkung Güter, welche von denen Hhl. Grafen von Walderdorff der Zehnte gebühret, und kann solcher in einem Durchschnitt des Jahres ein Fuder Frucht geben. Dieser Zehnde ist auch von den Herrschaftlichen ordentlich ausgesteinet, Niemand will aber wissen, wie die Hhl. Grafen oder deren Vorfahren dazu gekommen sind, allein da dieselbe, wie schon oben angeführet, von Wallendorf abstammen so ist wahrscheinlich, dass diese Zehnde annoch ein Überbleibsel von ihren ehemaligen Gerechtsamen seye.
Das Kloster Marienstadt fordert auch noch eine Frucht Güll an der Gemeinde Unnau, weilen dieselbe aber solche disputiret, so ist Prozess darüber entstanden, und solcher meines Wissens nicht geendigt.

 Von Ehl , Maas und Gewicht

§42
Man hat in hiesigem Amt verschiedene geschworene Eichmeister welche auf Ehl, Maas und Gewicht, auch das Brod und Weckbacken der Becker Acht geben und darauf sehen müssen, dass alles in Richtigkeit gehalten werde, sie müssen zu dem Ende geeichte Maasen, gebraute Ehlen und abgezogene Waagen haben, und andere darnach visitiren und berichtigen, sie haben imgleichen eine gewisse Beckerprobe, nach welcher die Becker das Gewicht an Brod und Weck, je nachdeme die Früchte in diesem oder jenem Preis stehen, liefern müssen, fehlet an dem vorgeschriebenebn Gewicht, so wird jedes Loth mit 1 fl. bestrafet, auch manchmal wann der Betrug gar zu gros ist sämtliches Brod confisciret, und unter die Armen ausgetheilet.

Vom Civil und Criminal wie auch Polizey und Oekonomie Anstalten


Vom Civil Prozess


§1
Der Amtsort ist Beilstein und müssen daselbst alle Klagen eingebracht werden. Regulariter wird in Prozess Sachen, wann kein Vergleich getroffen werden kann, sumarisch verfolgen, und mündlich zum Protokoll recensieren, es seye denn, dass die Sache wichtig, und Litigantes als denen Rechts Unerfahrene sich nicht aus zu helfen wüsten, so wird das schriftliche Verfahren zugestanden

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