Das Amt Beilstein Anno Domini 1645

 Kurz vor Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) beschreibt der Burg- und Amtmann Johann Christoph Becker den Zustand der Herrschaft Beilstein.
  • 1634 wird Hachenburg von den schwedischen Truppen belagert.
  • 1635 rückten die kaiserlich Mansfeldschen Truppen von Gießen her an und verbrannten auf ihrem Weg über Dillenburg und Breitscheid auch das Pfarrhaus in Emmerichenhain samt Kirchenbüchern.
  • 1636 herrschte die Pest in Hachenburg und Umgebung.
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Als Dank für die Kriegsverdienste und die vielen Blutopfer der Nassauischen Regimenter wurden die Grafen Johann Ludwig von Nassau-Hadamar im Jahr 1650 und Ludwig Heinrich von Nassau-Dillenburg im Jahre 1652 in den Reichsfürstenstand erhoben.
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Die Hälfte der Bevölkerung wurde durch Kriegsauswirkungen ermordet, in vielen Dörfern gab es keinen einzigen Einwohner mehr.
 
"Damalig so woll in den 3 Under als 3 Oberkirspeln zu Westerwalt ahn Manschaften sich begreiffen 444 Man. Itzo aber befinden sich das dieses 1645 jahr deren noch beyhanden imsamt 177 Man. Also daran abgangen 167 Man."
 
Beschreibung der gräfl. Nassau Dietzschen Herschaft Beilstein
Dem hochgeborenen Grafen und Hern,
Hern Wilhelm Friderichen Grafen zu Nassau Catzenelenbogen, Statthalter in Frieslandt
zuständig
Durch
Johann Christoph Becker, Dr
hochgeb. Ihr Exell. Burg und Amtmann
Anno 1645

 

Beilstein ist ein altes gebäut und Schloss, in einem Thal zwischen lustigen bergen gelegen, hat von alters den Grafen von Nassau Beilstein zugestanden, als aber solche abgestorben, ist es ahn die Grafen von Nassau Catzenelenbogen, als welche dan mitt simultance investiert gewesen, gekommen. Umb welche Zeitt es gebauet, kann man nicht eigentlich wissen, woher es auch diesen nahmen habe ist nicht weniger unbeweißt, ist aber fast vermutlich, das solcher nahmen endstanden von den großen langen Steinen, welche nechst dabey im Walde. Der alte Beilstein genantt liegen, und so glatt und scharf eckicht sindt, als wen solche mitt beylen öder äxten so formiret undt gehauen weren. Welche stein, wie ein großer hügel oder Berg, gleichfals aufeinander geleget, und ahn drey Orten umb Beilstein herwnb, nicht mit gereinger verwunderung anzuschauen sindt, auch nicht voll zu ergründen wie solche dergestalt sich auf einen hauffen beyeinander versambelt, man wollte dahn sagen atwa vor alters große steinerne bäute alda gestanden, welche also zerfallen, gestalt dan noch diesen tag, der eine Ort, Der alte Beilstein / dabey ein brennen, der huhnen Bron genantt, daraus die alten haben schlissen wollen, ob die Hunnen alda gewonet hatten / der ander die Schmalburg, der dritte der Beilstein genantt wirdt. Oder möchte auch woll davor halten das solche Steine bey Zeit der Sundefluth dergestalt per alluvionen zusahmen getrieben wie es fast scheintt.

Zu dem kirspell Beilstein gehören Schloss und Thall Beilstein, Wallendorf, Hayern, Rodenroth undt hoff helmsdorf. Schloß undt Thall Beilstein dieses wie obervermelt liegt in einem thall zwischen lustigen bergen undt hat es alhier die haubt kirche welche wie gesagt gantz von neuem erbauet. Diese pfar und kirch hat hochge. Ihro Exell. zu beställen. welche dieser zeitt her johannes Cerwing pfarher desen ortts bedienet undt wirdt aldar wie auch in der gantzn Herschaft Beilstein, das heilige wortt Gottes nach der Reformierten Ihro alten evangelischen Religion, undt wie solche in Gottes Wortt recht und ausführlich gegründet, wie undt läutter, ohne allen menschlichen zusatz, gelehren undt gepredigen. Die jugend wirdt auch in Gottes Wortt fleißig unterrichtet auch jeden monat, den 1. mittwochen durch die gantze Herschaft ein ordentlicher betttage gehalten. Welche den Vormittag feyerlich begangen, Gott den Alimechtigen vor die bis dahin erwißene gnade gedankett, undt umb ferneren göttlichen Segen undt beystande instandig angeruffen wirdt.

Fast nahe ahn Beilstein, in dem dörflein Wallorff, hatt der pfarher seine wohnung, so bey der pfar gehöret, samt äckern, wiessen undt gärtten aldar stehet noch eine alte kirche, dahin vor dießen, ehe die kirche zu Beilstein gebauet worden, das gantze kirspell zur kirche gegangen, itzo ist es die begräbnißkirche, undt ist der kirchhoff darwiib dahin man die abgestorbenen zu begraben pfegt.

Die 3 Oberkerspell zu Westerwald Marienberg, Emmerichenhain und Neukirch betreffende Marienberger Kirspell. Dieses Kirspell grentzet ahn Hachenburg und die Saynsche grentzen wie auch ahn die grafschaft hadamar undt Stull gebieth.

Das Waßer die Nister genanntt fengt ahn zu Emmerichenhain, undt scheidet bies ahn die Grafschaft Sayn nahe ahn die niederscheider Saynsche Mühle. Von danen scheidet die Nister zwischen Nassau Beilstein bis ahn den Korb. Von dannen scheidet die Weißbach bis undig Kirben, so Saynsche seitens seindt Steingestz n zwischen Beilstein undt Sayn bies ahn den Rheinhardtsborn obig Lipp im Dillenburge.

Undt Saynsche Dorff, darnach ziehet es fort, bies auf den Liebenscheiter grentz.

Zu Marienberg hatt es die Haubt Kirche, darinnen ein schön geleuth. Es hatt ein fein Pfarhauß alda sambt denen gelegenen eigenen pfar guttern undt eigenem pfar Waldt. Die pfar so hern Ihro Excell. unserem Herrn bystellen wirdt, bedienen ahn itzo her jost Gelery HeWetig. Es seindt auch in diesem Kirspell noch 3 Capellen.

Eine in Retzhaußen. Die ander im Hoff. Die dritte zu Unnau.

Die Kirche zu Marienberg hatt beneben ihren eigenen pfar gutten järlich noch einfallen gehabt 84 gl 16 att 6 ch.

Die Capelle zu Retzhaußen hatt järlich einfallen mitt ihren Capitalen undt bestendigen pensionen undt ein morgen Landt 170 gl.

Die Capell zu Hoff jarlich 86 gl 17 att 7 1/2 ch.

Die Capell zu Unna jarlich 40 gl.

Die 3 Oberkirspell zu Westerwald Marienberg, Emmerichenhausen und Neukirch betreffende Marienberger Kirspell. Dieses Kirspell grentzet ahn Hachenburg und die Saynsche grentzen wie auch ahn die grafschaft hadamar undt Stull gebieth.

Das Waßer die Nister genanntt fengt ahn zu Emmerichenhain, undt scheidet bies ahn die Grafschaft Sayn nahe ahn die niederscheider Saynsche Mühle. Von danen scheidet die Nister zwischen Nassau Beilstein bis ahn den Korb. Von dannen scheidet die Weißbach bis undig Kirben, so Saynsche seitens seindt Steingestz n zwischen Beilstein undt Sayn bies ahn den Rheinhardtsborn obig Lipp im Dillenburge.

Undt Saynsche Dorff, darnach ziehet es fort, bies auf den Liebenscheiter grentz.

Zu Marienberg hatt es die Haubt Kirche, darinnen ein schön geleuth. Es hatt ein fein Pfarhauß alda sambt denen gelegenen eigenen pfar guttern undt eigenem pfar Waldt. Die pfar so hern Ihro Excell. unserem Herrn bystellen wirdt, bedienen ahn itzo her jost Gelery HeWetig.

Es seindt auch in diesem Kirspell noch 3 Capellen.

Eine in Retzhaußen.

Die ander im Hoff.

Die dritte zu Unnau.

In diesen Kirspell befinden sich nachfolgende Dorffschaften. Darinnen seindt vor diesem gewesen ahn Manschften wie folgt: