Der Westerwald in einem Gedicht

 
 
Da wo das ganze Jahr der strenge Nord regiert,
Wo nie kein Frühling lacht, wo niemals Sommer wird.
Wo schröckliches Gebürg der Sonne Glanz verdringet,
Daß sie den heitern Tag niemals den Menschen bringet.
Da, wo man weit und breit kaum Spur und Zeichen findt,
Daß Menschen oder Thier je da gewesen sind.

 

Gar keine Länderey die müden Augen weidet,
Das (a) falsche Erdreich kaum der Füsse Tritte leidet.
Wo man nur tiefen Sumpf nur Dorn und Stein erblickt,
Den müden Arbeits-Mann kein Zephir nie erquickt,
Wo Ceres und Natur die Hände abgezogen,
Wo keine Lust noch nie den Wandrer hinbewogen.

 

Wo tiefe Traurigkeit die Gegenden umfängt,
Wo lauter Ungemach und Noth die Menschen kränckt.
Wo Erd und Himmel zürnt, Scherz, Lust und Freude fliehet,
Nur Kälte, Sturm und Nacht den Horizont beziehet.
Da hat des Himmels Schluß mich fremd und unbekannt,
In seinem Zorn und Grimm nunmehro hingesandt.

 

Nurmehro fliehe ich die vätterlichen Flüre,
Das lieblichste Gefild die holdesten Reviere.
Ich fliehe, welch ein Schmerz! die angenehme Stadt,
Die mich so offt ergötzt, die mich geliebet hat.
Dich Stadt, dich Vatterland, euch Freunde soll ich meiden!
Lebt wohl! ich irre jetzt auf Berg und wüsten Haiden.

 

In Wüsten ohne Bahn, im Dorn- und Schlehen-Wald,
In steiler Felsen Klufft ist jetzt mein Aufenthalt.
So brach Leander aus, so klagten seine Lieder,
Und so erthönten selbst die wilden Felsen wieder.
Allein der Musen-Gott, der selbst die Berge liebt,
Und offt sein Hirten-Rohr am Hang der Felsen übt.

 

Sieht, daß nur Vorurtheil Leandern eingenommen,
Und der Verläumdung Gifft in ihme Platz bekommen.
Die Wahrheit eilt bereits auf hohen Winck herbey,
Bekämpfft und zwingt das Gift die Sinnen werden frey.
Schon scheint der Westerwald ganz anderst auszusehen,
Viel schöner, als noch nie, wird bald der Lenz entstehen.

 

Die Stürme geben nach, schon schwindt ihr Trauer Flohr,
Und aus der Wüsten steigt ein sanfter Reitz empor.
Die Sonne hatte kaum die Düfte weggezogen,
So sind die Wälder schon mit zartem Laub umflogen.
Kaum nimmt das frohe Thal den Phöbus wieder wahr,
So stellt es seinem Aug die schönsten Blumen dar.

 

Die Felder prangen schon mit Frucht in (b) bunten Reihen,
Vom Thal den Berg hinauf bis zu den jungen Meyen.
Des Berges stolzes Haupt, so durch die Wolcken schneidt,
Glänzt selbst von Heidel-Frucht ins Buschwerck (c) eingestreut.
Und mischen sich damit des (d) Ginsters goldne Blüten
Dann scheinet die Natur die Schönheit aufzubieten.

 

Dann lässet der Bezirck, wo solche Berge stehn,
Mit zauberischer Pracht das Bild der Iris sehn.
Ja von den Höhen her, und aus den tiefen Gründen,
Den süssen Balsam Dufft aufs kräfftigste empfinden.
Seht was entstehet dort vor ein verwirrter Schall?
Ich folge seiner Spur hinab ins dunckle Thal.

 

Sieh da ein klarer Bach, der sich durch Wiesen giesset,
Der hier das Gras benetzt, dort Erlen-Sträuch umschlieset.
Den man bald lispelen, bald wieder rauschen hört,
Wenn er ans Ufer spielt, und an die Felsen fährt.
Hier hat die stärckre Flut die Ufer unterhüllet,
Dort selbsten in den Berg sich mächtig eingewühlet.

 

Da formte sich ein Kreis wie sich die Fluthen drehn,
Ein hohler Eichen-Baum blieb in der Mitten stehn.
Und den umzingelen, wie veste Maur und Zäune,
Ein störrigtes Gebüsch und alt bemooßte Steine.
Demnächst versanck der Grund tief in ein schwarzes Loch,
Und zog die Wasser mit, nur Steine blieben noch.

 

Gleich gegen über stehn der Felsen hohe Säulen,
Im düsteren Gesträuch hört man Gebrumm und Heulen.
Hier aber ist es still, die sanffteste Music Bemeistert
Sinn und Geist, der Schauer weicht zurück.
Bläßt dorten Aeolus in die versteinte Pfeiffen,
Und brummet der Satyr in Löcher Bäum und (e) Seiffen.

 

So schwingt hier Philomel mit ihrem Sänger Chor,
Nur desto reizender ihr himmlisch Lied empor.
Ist das die Wüsteney mit Felsen zum entsetzen?
O dieser Gegenstand kan selbst den Geist ergötzen.
Die spielende Natur bleibt niemals einerley,
Sie wird bißweilen wild, nur daß sie schöner sey.

 

Hier ist es wo Damöt das stolze Glück genießet,
Das auf die Hirten mehr als auf die Grossen fließet.
Die Wüste decket ihn vor Unrecht und Verdruß,
Hat seine Herde satt, so hat er Uberfluß.
Wann Hochmuth, Haß und Neid die eitle Welt bekriegen,
Macht ihm bey einer Eich sein Hirten-Horn Vergnügen.

 

Und ferne von des Glücks betrügerischen Schein,
Verlangt sein freyer Geist nicht glücklicher zu seyn.
Von hier erstrecken sich Berg an stets beßre Heiden,
Wo fette Rinder gehn und schöne Schaafe weyden.
Nicht besser konnte man dort in Thessalien,
Die Viehezucht und Weyd zu jenen Zeiten sehn.

 

Da dessen Hirten selbst Apollo unterwiesen,
Und ihnen Kunst und Fleiß sehr lehrreich angepriesen.
Als man im Westerwald diß edle Wesen übt,
Wo man mit gleicher Kunst dem Fels Gedeyen gibt.
Die Wüstungen durch Fleiß zur Fruchtbarkeit bereitet,
Die Quellen auf die Heid, vom Sumpf das Wasser leitet.

 

Dadurch bekommt das Vieh die Eiter voller Safft,
Auch schöne junge Zucht, und Fleisch von edler Krafft,
Viel Butter, deren Fett und Süßigkeit nichts gleichet,
Ja selbst unzählich Vieh, wird Fremden dargereichet.
Auch sind die Schincken hier von nicht geringrer Krafft,
Als die Westphalen selbst in fremde Länder schafft.

 

Was gibts auf jenem Berg? Ich seh viel Hacken zücken,
Jch meyne Bachus Volck und Weinberg zu erblicken.
Hilf Himmel! was geschicht? ein dicker Schwefelrauch,
Erfüllt den Horizont, umhüllt Gebürg und Strauch.
So wie bey schwühler Nacht sich schwarze Wolcken kühlen,
So scheinet Strahl und Feur vom Dampf hervor zu spielen,

 

Und lässet manches mal viel Menschen wieder sehn,
Die in dem Dampf und Feur einher wie Teuffel gehn.
Nun trauret die Natur: die Sonne selbst erbleichet,
Das Vieh verstecket sich, der muntre Vogel schweiget.
Vom herben Dampf erstirbt das zarte grüne Laub,
Und mancher Bircken-Strauch wird des Vulcanus Raub.

 

Darob ertönet selbst das Klag-Geschrey der Faunen,
Die Nympfen weichen fern voll Schrecken und Erstaunen.
Auch die Dryade schützt nicht länger ihre Eich,
Und fliehet voller Schmerz vor Feuer, Art und Streich.
Die Furcht beklemmte mich, als sich ein Mann mir nahte,
Der eine Hacke trug, doch hold und freundlich thate,

 

Er kam und sprach: Mein Freund was kommt dir ängstlich für?
Von allem was du siehst vernimm den Grund von mir.
Wie wann ein schwerer Sturm die ganze Erderre get,
Wann Donner, Blitz und Feur in Feld und Waldung schläget.
Als sollte überall Ruin und Tod entstehn,
Was aus der Erde keimt gleich wieder untergehn.

 

Doch die vermeinte Noth selbst zum Erspriesen dienet
Und Feld und Wald darauf nur desto schöner grünet.
So ist auch was du siehst nur scheinbarer Ruin,
Und schaffet Fruchtbarkeit und doppelten Gewinn.
Dort stund ein dicker Wald: schon wendet man die Erden,
Der Wasen muß alsdenn durchs Feur zur Düngung werden.

 

Zwey Jahre trägt er Frucht und bleibet Wald zugleich,
Und ist die nächsten Zwölff an Stangen wieder reich (f)
Er schweigt, geht lächlend fort, verliert sich in die Sträucher,
Ich aber setze mich bey einer nahen Eiche.
Und ehre in der Stil der grossen Vorsicht Güt,
Biß neuer Gegenstand die Sinnen an sich zieht.

 

O ihr dort, die ihr euch aus hohem Fels, erhebet,
Den klaren Himmel selbst mit eurem Grün belebet,
Die annoch tieffe Sonn allzeit zuerst begrüßt,
Auf alles Land die Freud und das Vergnügen gießt.
Ihr Zierden dieses Lands, ihr Buchen und ihr Eichen, (g)
Nie werdet ihr genug euch meinen Augen zeigen.

 

Laßt mich mit heilger Lust in eure Schatten gehn
Und eures Schöpfers Glanz in eurer Schönheit sehn.
Dann überlegend shaun, wie euch mit schnellen Trieben,
Die Stein- und Erz-Gebürg aus ihren Lenden schieben.
Daß wieder ihr dafür den tiefen Berg-Bau stützt,
Der Schmelz-Hütt und zugleich dem armen Köhler nützt.

 

Doch jetzt gereichet ihr nebst euren jungen Reißern,
Viel wilden Thieren noch zu kühlen Sommer-Häusern.
So lang kein helles Horn durch eure Berge schallt,
Nochmörderisches Feur aus starcken Röhren knallt.
Alleine Wild und Wald hat lockendes Vergnügen,
Und reizt den Jäger an auf seiner Spur zu liegen.

 

Dann von der nahen Frucht ist es sehr fett und schön,
Bald glaubet man den Hirsch der Cynthia zu sehn.
Und bald das grosse Schwein, das wie die Fabellehrer,
Das halbe Königreich Aetoliens verheeret.
Auch gibt es Reh und Füchs, offt flieht durch Korn und Graß,
Ein aus dem nahen Rest verstörter junger Haaß.

 

Die Flüsse die mit Fleiß nicht zu dem Rhein-Strom eilen,
Und sich durch krumme Wege im schönen Thal verweilen.
Die lassen diesem Land viel Seegen und viel Glück,
Vor ihren Aufenthalt im schweren Netz zurück.
Und zwingen, um sich recht verbindlich zu bezeigen,
Den grosen Lachs (h) vom Rhein die Sieg herauf zu steigen.

 

Auch dorten, wo ein Damm ein groß Gewässer schließt,
Das von dem höhern Land herab ins tieffe schießt,
Beweget sich ein Heer von schwimmenden Geschlechten,
Vom Karpfen, Bersich, Aal, Forellen und von Hechten.
Von Lufft Reich hohlet man durch schnell getriebnes Bley
Viel Vögel mancher Art zur Speiß und Lust herbey.

 

So muß manch schöner Schnepf, Rebhüner, Beccasinen,
Und Enden wilder Art dem lüstern Gaumen dienen.
Auch Vögel halber Größ gibt es zur Herbstzeit viel,
Wer dann in Schneisen sich Vergnügen machen will.
Kan sie mit leichter Müh in die gestellte Schlingen,
Mit Beeren angelockt, in grosser Menge bringen.

 

Deszahmen Feder Vieh zieht jeder Bauer satt,
Versorget sich damit, und liefert in die Stadt.
Die Gänse haßt man zwar, weil sie der Wende schaden,
Und dennoch speiset man nicht selten ihren Braten.
Auch gibts der Thier die uns zur ersten Lehr gedient,
Wie man mit Sorg und Fleiß den Vorraths-Schatz gewinnt.

 

Und die Oeconomie in guter Ordnung führet,
Und wie man weiß und klug in seinem Hauß regieret.
Die aber, wenn sie sich den Sommer durch bemühn,
Vom Heidel, Gester, Klee die Nahrung aus ziehn.
Sie selber, wie es geht, mit Ruhe nicht genies,
Ja mit dem Leben gar den Menschen lassen müssen.

 

 

Wo aber findet man die eingebildte Noth,
Die keinen Menschen hier, als nur den Faulen droht.
Allhier, wo jedes Land, den, der es baut ernährt,
Und jedem sein Geschäfft genugsam Brod gewährt.
Vergeblich nenne man es öde, rauh und wild,
Die ganze Gegend ist mit Menschen angefüllt.

 
Man wandre kurze Zeit in ihrer Berge Gründen,
Bald wird man eine Stadt, bald einen Flecken finden.
Bißweilen steige man, statt eines krummen Lauf,
Mit bald belohnter Müh den schönen Berg hinauf.
Viel Dörffer, welche uns noch die Gebürg verstecken,
Wird man mit frohem Blick im neuen Thal entdecken.

 

Die meisten Häuser sind den Stadt-Gebäuden gleich,
Sehr wenig Volck ist arm, obschon nicht viele reich.
Kaum kennet man die Noth, so andre Arme drücket,
In Ländern, die doch sonst der Uberfluß beglücket.
Man kohlet, hüttet, schmelzt (i) die Handlung ruhet nie
Man ziehet auf die Märckt, verkaufft, vertauschet Vieh.

 

Man sucht sein Heil mit Müh. Das schwerste Unternehmen,
Kan weder die Gefahr, noch harte Arbeit hemmen.
Zu allem hat dis Volck den Muth und den Verstand,
Doch auf das Bergwerck ist der meiste Sinn gewandt.
So emsig als es ist die spröde Fläch zu zwingen,
So muthig kan es auch ins Herz der Berge dringen.

 

Der vor den Pflug regiert, der erst das Vieh gehüt,
Derselbe ist nunmehr mit vieler Kunst bemüht,
Sich einen Weg zu haun, wo edle Erze gleißen,
Und solche selbst dem Schlund der Hölle zu entreißen.
Mit Schauer sehe ich die schwere Arbeit an,
Die Hallen (k) die man selbst vor Bergehalten kan.

 

Die Schächte und die Stolln (l) so in die Gruben leiten,
Worinn die Berg-Leut stets mit Tod und Leben streiken,
Es scheint sie hauen sich mit Schweiß ihr eigenGrab,
Und fahrn bey jeder Schicht (m) in ihre Grufft hinab.
Will sich mein schüchtern Aug von diesem Schau-Platz kehren,
So läßt sich in dem Thal, Getöß und Krachen hören.

 

Ein Dampf, der tief heraus, wie schwarze Wolcken schwillt,
Hat schleichend mit Gestanck die Gegend angefüllt.
Mit Schrecken seh ich schon das Licht der Feuer-Flammen,
Nunmehro schlagen sie hoch in der Lufft zusammen.
Im Feur entdecket sich ein Hauß halb abgekürzt,
Worinnes ächzt und pfeift, wohin sich Wasser stürzt.

 

Hier glühen Kohlen-Stöß, die diesen Platz umgeben,
Dort raucht die schwarze Erd, und scheint vor Hitz zu beben.
Und O! welch seltsam Volck laufft emsig hin und her,
Es scheint, als obs ein Heer von schwarzen Geistern.
Ich zittre, Plutons Reich ist hier: die Schätze blincken,
Ists würcklich, oder wird es wiederum versincken?

 

Ja, ja, ich sehe dort selbst Steine voller Glanz,
Sonst lauter Brand und Ruß, der Dampf umhüllt mich ganz.
Maschinen knirschen stets, die starcken Wasser toben,
Der pfeifend starcke Wind mit Ungestümm erhoben.
Bläßt in den hohlen Schlund, erregt des Feuers Wuth,
Indessen stürzet man des Pluton glänzend Gut.

 

Bald den Maschinen hin, bald in des Feuers Rachen,
Den stets die Kohlen nährn, und immer heißer machen,
Biß sich der mächtige und heiße Pfuhl aufschließt,
Und sich ein strahlender und edler Strohm ergießt.(n)
Ich aber wende mich von diesen Zauber-Bühnen,
Und suche wieder Lufft und Freyheit zu gewinnen.

 

Doch von der andern Seit kommt wieder Schlag und Stoß,
Als reißen sich sogar die Berg und Felsen loß.
Die Gegend zeigt sich wild, die steilen Berge steigen,
So daß die Augen kaum derselben Spitz erreichen.
Die Fluthen stürzen sich mit einem gähen Fall,
In das ganz finstere und halb versteckte Thal.

 

Worinn sich Staub und Wind in einem Wirbel wälzen,
Zur Noth erblicket man ein Hauß in wilden Felsen.
Die Neugier treibt mich hin. Ein fürchterlicher Mann,
Tritt vor, ich weiche aus, er aber redt mich an,
Bleib stehn! ich bin Sterop, ein Bruder von den Riesen,
Die harte Arbeit stets im Feur verrichten müssen.

 

Wir gehn mit Eisen um, die Hitze macht uns braun,
Hier, spricht er, kanst du frey in unsre Werckstatt schaun,
Der krumme ist Vulkan, der bey dem Amboß stehet,
Und jener Polyphem, der ganz im Feuer gehet.
Die Stärcke unseres Arms, des Feur und Werckzeugs Krafft,
Ja was dort vor Gewalt das Rad im Wasser schafft.

 
Soll, was die Hütte goß, zu reinerm Wesen zwingen,
Und in bequemen Stand für die Fabriquen bringen.
Er schweigt, ich gehe bald von diesem warmen Ort,
Doch voll Zufriedenheit Berg an die Strasse fort.
Nach schönrer Gegend hin; Lang ist kein Graß zu finden,
Lang deckt noch Ruß und Staub der Erden harte Rinden.

 

Doch nun wie herrlich glänzt o grüne Au dein Flor,
Wie lieblich kommt dein Busch jetzt meinen Augen vor.
O Lust von seltner Art! Vulkanus Wercke gehen,
Und Ceres ihre Füll zugleich verbreiten sehen.
Ermüdet ruh ich jetzt, und schaue dann zurück,
Und sehe das Bezirck zugleich mit einem Blick.

 

Wo bin ich, bin ich selbst in diesen schönen Orten?
Wie, oder ist mein Geist nur so bezaubert worden?
Hat irgend Circens Stab die Gegenden gebilde,
Und alles um und um mit Zauberey erfüllt?
Ich sehe den Olymp biß in die Wolcken dringen,
Ich seh um seinen Fuß sich Tempens Blumen schlingen.

 

Ich sehe Peneus und seiner Ufer Pracht,
Dort aber Lemnus Reich, wo Blitz und Feuer kracht.
Ich seh ein Lust-Bezirck statt wild beschriebner Steine,
Ich seh - statt Dornen - Sträuch selbst der Diana Hayne.
Dein Wald, o Westerwald! dein Thal, den Berg und Stein,
Soll künfftig hin mein Lied und mein Ergötzen seyn.

 

Als Landmann will ich nur von deinen Trifften singen,
Und stets in deinem Hayn dem Sylvan Opffer bringen.
Dein Busch, dein einsam Thal verleihen stille Lust,
Und deinen Hügeln ist kein Gram, kein Neid bewust.
Will oder kan ich dann nicht mehr in Wäldern liegen,
So gibt es überall Gesellschafft nach Vergnügen.

 

Gesellschafft, wo kein Zwang des Herzens Freude stöhrt,
Und wo kein Eigensinn die Munterkeit verwehrt.
Wo man die Eintracht liebt, sich nicht mit Tücken plaget,
Und alles was nur quält aus dem Gemüthe jaget.
Und wann noch was gebricht, so reicht der edle Rhein?
Und nahe Mosel-Strand den angenehmsten Wein.

 

Doch wie, was ziehet mich, was hemmet meine Sinne
Und welch geheime Macht will in mir Platz gewinnen?
Was vor ein holdes Bild, welch Anmuth, Reitz und Glanz
Durchdringe meine Brust mit regen Trieben ganze
Ich seh mein Vatterland: Ists möglich, darff ich trauen?
Seyd tausendmal gegrüßt, ihr wohlbekannten Auen!

 

Es lacht mir freundlich zu, und liebreich hält es mir,
Den Undanck gegen ihm, und seiner Liebe für,
Als hätt ich meinen Sinn, der andre Grenzen ehrt,
Nunmehro ganz und gar von ihme abgekehrt.
O nein! dein werthes Bild, das mich schon früh ergötzt,
Dein süsser Name ist zu tieff ins Herz geätzt.

 

In dir hab ich zu offt der Jugend frohe Stunden,
In dir zu viele Tren selbst vor mein Heil gefunden.
Als daß ich, wär ich auch an aller Welten End,
Dich theures Vatterland jemals vergessen könnt.
Ja, ja, die ihr den Ruhm der Redlichkeit verdienet,
O glaubt! daß stets in mir eur Angedencken grünet.

 

Ihr Freunde! deren Huld mir noch entfernet lacht,
Und wann ihr mich ergötzt, nur Sehnsuchts-Schmerzen macht.
Nun aber mich ein Land, wohin ich fremd gekommen,
Mit ungemeiner Lieb und Freundschafft aufgenommen,
Und mir von dem Gebürg des edlen Westerwald,
Die Sonne meines Wohls noch täglich heller strahlt.

 

Soll also nicht mein Lied in diesen Felsen schallen,
Und mein sonst schwaches Rohr zu seinem Lob erhallen?
Apollo will es selbst: Ich folge dem Geheiß,
Dich aber Vatterland wird grösster Dichter Fleiß,
Dich wird dein Musen-Chor mit reinem Thon besingen,
Und dir, du bist es werth, viel Ruhm und Lorbeer bringen.

 

a) Das sind die sogenannten Brüche oder Sümpfe, welche durch die im hiesigen obschon sehr felßigten Land sich häufig findende mächtige Quellen entstehen, und sowohl auf ebenen Plätzen als auch auf Anhöhen, wann der Ablauf behindert ist, angetroffen werden. Das Erdreich wird dadurch gehoben und schwammig. Weil sich nun diese Brüche vom vesten Erdreich äusserlich nicht unterscheiden, so betrügen sie einen leichtlich, daß man hinein sincket.

 

b) Man ziehet hiesiger Orten fast alle Gattung FeldFrüchte, als Korn, Haber, Heidel, oder Heidel Korn, Erbsen, Hanf, Flachs, Oelsaamen, ingleichen Kartoffel oder Erdäpffel, theils zur Nothdurft, theils auch zum Uiberfuß. Diese Früchte werden dann nicht Flur - weiß, sondern nach Belieben untereinander gebauet. Und unter solchen Feldern gibt es noch andere, welche, nachdem sie verschiedene Jahre durch mit allerley Früchten ermüdet worden, eben so lang auch zum Graswachs, dessen sie das feinste und fetteste und zwar meist Klee geben, liegen gelassen, und Triesch genennet werden. Welches nicht allein wegen des beym hiesigen Land durchaus erforderlichen Wechsels, sondern auch zum Behuf. der starcken Viehe - Zucht geschiehet. Alle diese so bestellte zwischen Wald und Wies Grund fortlaufende Felder geben die schönste Abwechslung der Farben, und ein die Augen überaus belustigendes Gemählde.

 

c) Die Berge werden hier mehrentheils mit Holz und Feld-Frucht gleich genußet, welche man, zum Unterscheid der übrigen Waldungen, Hauberge nennt. Sobald das in Bircken, Buchen oder Eichenstangen bestehende Haubergs-Holz gehauen ist, so wird, während daß die Stöcke wieder Lotten treiben, die zwey ersten Jahre einmal Korn, einmal Heidel, oder auch Haber zwischen die Holz-Stöcke gepflanzet, welche Mischung, zumal mit dem gar schön roth und weiß blühenden Heidel oder Heidloff, dem Gesicht um so reizender, je mehr sonst der Frucht- und Holzbau einander entgegen ist. Diese Haubergs-Einrichtung wird jedoch nicht im ganzen Westerwald, sondern nur in einigen Gegenden angetroffen.

 

d) Der Ginster oder Kühn - Schotten, wie ihn einige nennen, ein nicht in allen Ländern bekanntes Gesträuch, wächst hier zu Land sehr häufig, theils in Wäldern, theils auf besondern Plätzen oder er hat ganz leicht und schwaches Holz, und statt des Laubes lauter sogenannte grüne Nadeln, weit länger und zärter als die Fichten-Nadeln. Er grünet das ganze Jahr hindurch, des Sommers aber trägt er eine Menge sehr schöner gelber Blüten und bekommt endlich in Hülsen, dergleichen die Wicken haben ganz kleine Saam-Körnlein. Die Blüte dienet denen Bienen ungemein, wie auch sonst denen Menschen zur guten Arzeney in der Schwind und Wassersucht. Das Holz ist zum Brennen, besonders zum Anmachen des Feyers sehr bequem, und was grün und zart ist, wird auch vom Vieh auf der Waid gerne gefressen, welches davon gute Nahrung und gesunde Milch bekommt.

 

e) Die Abschnitte oder Engen zwischen denen Bergen, worein das Wasser, wie in einem Bach zusammen und ablaufft, werden hie zu Land Seifen genannt, In theils Orten heissen sie Klingen.

 

f) Weil die Hauberge mit Holz und Feld-Früchten zu gleich benutzet werden, so muß solches in guter Ordnung hergehen. Wann dann nun das Holz zum Fällen tüchtig, so wird jedem Haubergs-Besitzer, welche als eine Gesellschaft anzusehen sind, sein Theil Land nach Maas gab seiner besitzenden Haubergs - Gerechtigkeit abgestecket, alsdenn begibt sich die ganze Gesellschafft, welche offt die ganze Orts-Gemeind, zugleich hinaus, hauen jeder seins Holz oder Stangen, und führen es auch alle zugleich nach Hauß. Hernach fangen sie auf gleiche Weise wieder miteinander an, dasselbe Land zu behacken, oder vielmehr den Wasen davon abzuschälen: diesen, wann er vorher getrocknet, setzen sie in viele Kegel-förmige Hauffen, deren jeder mit etwas zu solchem Ende auf dem Berg liegen gebliebenen Gereißig oder Wellenholz inwendig versehen wird, zünden sodann das aus jedem Hauffen oben hervorragende Gereißig an, und lassen die Hauffen, welche lauter Glut werden, verglühen. Sodann wird diese feine Erde und Asche auseinander gebreitet, endlich das Erdreich mit einem besondern sogenannten Hahn-Haag gehaaget oder gepflüget. -Dieser Hahn: Haag ist aus einem leichten Stück Holz gemacht, dessen eines End, wor an die Schaar gegen die Erde, das das andre End aber, woran zum Regieren eine Hand Hebe oder Querholz befindlich, gegen den Leib gebogen ist, kan also weit bequemer denn ein gemeiner Feld-Pflug zu Verschonung der Holz-Stöcke gebraucht und an dem daran befestigten kurzen Holz mit einem einzigen Ochsen, welcher aus gleicher Ursache der Holzschonung viel dienstlicher als ein Pferd ist, sehr gut gezogen werden. Denn dieser Haag ist so leicht, daß ihn der Bauer in den Haus berg oder Hahn, wie man die Hauberge insgemein nennet, auf der Achsel trägt. Nach dem Haagen wird gesäet. Das Jahr darauf aber wird, um die zarten Holz-Limpfen noch besser zu schonen, statt des Haagens insgemein nur mit der Hacke alles aufgearbeitet. Eben dieser Proceß wird auch ausser den Haubergen mit vielen andern Feldern, wann sie zu spröd sind, oder ausgenutzt worden, vorgenommen, der Verwilderung dadurch gewehret, und die Fruchtbarkeit vollkommen wieder hergestellet. Sonst gibt es noch eine Art, so das Löben heist, welche, wann sie schon nicht sogar gut ist, doch viel kürzer und leichter ist. Dann hier wird der bemoste Boden nicht gehacket, sondern nur durchaus mit kleinen Gereißig überstreuet, dasselbe bey günstigem Wind angezündet, und dabey das Feuer, wo es nöthig, von denen Leuten regieret, damit es überall recht brenneWenn dann das Gereisig nebst dem Moß oder Wasen so zu Aschen worden, wird der Saamen gestreuet, und mit dem Haag hinunter gehaaget. So mühsam nun zwar, insonderheit die vorige Art von Haubergs-Bearbeitung ist, so nützlich und so nothwendig ist sie doch. Denn wenn diese Berge nicht befeuchtet würden, wie sollten die übrigen Felder für so vieles Volck hinreichen? Und hiezu kommt noch der zweyte nicht geringere Vortheil, daß solche Arbeit, wenn sie mit Vorsicht geschiehet, den Holzwachs durch das Lüften der Stöcke sehr befördert, so daß der Berg im vierzehenden und manchmal schon im zwölften Jahr wieder die stärcksten Stangen hat, und wieder wie vorhin niedergehauen und befruchtet wird. Ja es wird wegen des Berg- und Hütten - Wesens wohl noch mehr auf den Holz- als Fruchtwachs gesehen, und daher kommt es, daß die stärcksten Haubergs-Inhaber, nach erhaltenem Holze, ihr Hauland, welches sie nicht füglich alles bestreiten können, entweder ganz umsonst, oder für den Holz-Fällerlohn, oder um einen sehr geringen Pacht denen Armen zur Befruchtung überlassen, welche alsdenn ihr Brod ebenfalls sattsam davon gewinnen. Die Hauberge sind also, wie aus bisherigem Bericht erhellet, in dieser Landes-Gegend eine Haupt-Sache, womit sich die Leute eben so sehr beschäfftigen, als in denen Wein-Ländern die Häcker oder Wein-Gärtner mit ihren Weinbergen, so daß ihre Bemühung mit Verwunderung anzusehen ist; dann es ziehen nicht nur, wie Eingangs dieser Noten gedacht worden, ganze Gemeinden hinaus gleichsam zu Feld, sondern es geht auch insgemein, die ganze Familie eines jeden Hauses mit, und die ganz kleinen Kinder werden in ihren von Weyden geflochtenen leichten Wiegen mit hinaus getragen, und neben hingestellt, während daß die Mütter mit denen grösten Kindern denen Vättern die Arbeit verrichten helffen, wiewohl solches bey ihren übrigen vielen Feld-Verrichtungen, um besser damit fertig zu werden, ebenfalls geschiehet. Der Heidloff, Oel-Saamen und Erbsen werden zu Vermeidung des bey dergleichen Früchten durch das Heimführen entstehenden ziemlichen Verlusts sogleich im Feld auf den grossen so genannten Tenn-Tüchern ausgedroschen, weil doch die Hülsen in der Lufft, zumahl beym Sonnenschein, besser aufspringen, doch sehen bey so vielen und harten Arbeiten die Leute sehr gut aus, sind gesund und starck. Um sich aber von der so nützlichen Haubergs-Einrichtung vollends den Begriff wenigstens überhaupt zu machen, so ergiebt sich fast von selbsten, daß eines jeden Ortes sämtliche Hauberge Ihr in zwölf oder vierzehen, obschon nicht ganz gleiche Hieb- oder Jahrgänge eingetheilt seyn müssen, wovon dann jedem Erben oder Besitzer allezeit nach Proportion seiner Haubergs-Gerechtigkeit, das ist, nach Masgab seiner in dem ganzen Gemarck besitzenden Morgen - Zahl sein Theil der Ruthe nach ausgerechnet, ausgemessen und abgesteckt wird, daß er also nie kein gewisses Stück behält, noch seinen Ort vorher wissen kan. Weil es aber in der That eine schwere und künstliche Sache ist, so werden zu nöthiger Ordnung insgemein grosse Bücher darüber geführet, worinnen die Besitzer, und wie viel Morgen oder Ruthen jeder besitze, aufgezeichnet stehet, und die durch Erbschafft oder Kauff sich ereignende Veränderungen bemercket oder ab- und zugeschrieben werden.

 

g) Uberhaupt ist der hiesige Boden zum Holzwachs ungemein gut, und der Trieb so starck daß es in der halben sonst gewöhnlichen Zeit zum Fällen gerecht wird. Wie dann die Wälder jederzeit mit den ansehnlichsten Eichen- und Buchen-Stämmen prangen, ja die höchsten Berge bis zu oberst auf dem Gipfel zahlreich damit besetzet sind. Bey dieser Gelegenheit wäre noch zu bemercken, daß auf einigen der hiesigen höchsten Berge zuoberst sehr hohe spitzige mit grossem Fleiß und Arbeit aufgetragene Hügel befindlich, wobey sich dem Vermuthen nach die ehemals so berühmte Druiden bekannt, der Alten ihre Philosophi oder Magi, sehr geschickte, ernsthafte Leute, und zugleich Wahrsager nebst ihren Weibern gewesen seyn. Sie haben Opfer und Gottes-Dienst verrichtet, die Jugend, unterwiesen, das Recht gesprochen, ingleichen Lieder von den Thaten grosser Helden abgesungen, wie dann das Opfern, Wahrsagen, und Lieder absingen auf denen obbemeldten spitzigen Hügeln geschehen seyn mag. Sie hielten insonderheit die Eich-Bäume sehr hoch, und sich in dergleichen Lust- Wäldern auf, deswegen sich die hiesigen Berge und Wälder besonders gut vor sie geschickt haben. Und wird würcklich ein dergleichen in der Grafschafft Sayn Altenkirchen bey dem Dorf Herckersdorf, im Amt Freusburg, auf einem hohen Berg befindlicher spitziger Hügel noch immer nicht anderst, als der Druiden-Stein benannt. Es soll auch nach einiger Meynung das Wort Druidso wohl, als auch das besser oben im Gedicht vorgekommene Wort Dryad von dem Griechischen sei ein Baum besonders eine Eiche herstammen. Inzwischen wollen doch viele Historien Schreiber zweifeln ", die Teutschen würckliche Druiden gehabt haben: Julius Caesar, nachdem er vorher die Gallischen oder Französischen Druiden beschrieben, vermeint es ausdrücklich, man gibt aber vor, daß da sie nach der Hand aus Gallien vom Kayser Tiberius vertrieben worden, dieselben nach Teutschland gekommen seyen. Auch wird berichtet, daß die Celten, worunter die Teutschen zu verstehen seyn sollen, Druiden gehabt, und von den Tangris, wovon noch das Ort Congern im Stifft Lüttich den Nahmen führet, einem Volck in Gallia belgica, oder welches einerley, in Nieder-Teutschland, wird erzehlet, daß dem Diocletianus allda von einer Druidin prophezeyet worden seye , daß er Kayser werden würde. Allein man wendet wieder ein, daß diese Druiden keine solche als die Gallischen, welche oben hauptsächlich beschrieben worden, sondern wahrsagerische Weiber gewesen seyen, welche die alten Teutschen unter der Zahl der Göttinnen mit verehret haben. Wie dann eine dergleichen Nahmens Jettha in einem Tempel auf demjenigen Berg gewohnet hat, worauf jetzt das Heidelberger Schloß stehet, und welcher noch der Jetthen-Berg genannt wird, welche denen, die sie um Rath fragten, vom Fenster herunter geantwortet, wie auch in Versen geweissaget hat, was künfftig allda geschehen solle, daß ihr Berg von Königlichen Personen, die sie genannt, werde bewohnt und ausgeziert, das Thal unter ihr aber von vielem Volck besessen und mit den berühmtesten Tempeln geschmücket werden. Demsey nun wie ihm wolle, so ist doch allemal so viel mit Wahrscheinlichkeit zu glauben, daß die hiesiger Gegend befindliche spitzige Berg-Hügel, besonders auch der obangezogene Druiden-Stein bey Herckersdorf, entweder von der einen oder der andern Art Druiden sich bedienet worden seye, welche Wahrscheinlichkeit noch stärcker wird, weil ermeldte Orte insgesamt nahe am Rhein, der hauptsächlich die Grenzen des alten Galliens und Teutschlands ausmachte, liegen, folglich auch allda ein und andere gemeinschafftliche Gebräuche gewesen seyn mögen. Sonsten ist von den teutschen Druiden auch das Wort Druthe herzuleiten, so vor Zeiten in gutem Verstand eine Braut bedeutete, im schlimmen Verstand aber noch in Teutschland, z.E. in Francken sehr gebräuchlich ist, und eine Hexe oder Zauberin anzeiget. Not. Hauptsächlich hat mir zu den nähern Umständen von den Druiden gedienet, des Burcardi Gotthelfi Struvii Syntagma Historiae Germanicse, Dissertatio secunda.

 

h) Wird sonst, so lange er noch im Rhein ist, oder wann er wieder dahin kommt, Salm genannt. Diese bekanntlich nur in grossen Gewässern, und eigentlich wohl im Meer sich aufhaltende sehr grosse und niedliche Fische, tretten zur Herbst-Zeit bey fütigem Wasser vom Rhein in andere Flüsse, besonders auch in die Sieg und Niester, schlagen und laichen allda, und heissen als denn Lächse, und werden mit dreyzäckigten mit Wider - Hacken versehenen Gabeln in grosser Menge tod gestochen und heraus gezogen.

 

i) Das ist, man machet oder brennet Kohlen. Er hüttet, spricht man, wann einer auf einer Eisen-Hütten, wo er in der Compagnie ist, in seiner ihm zukommenden Zeit aus seinem Eisen- oder Stahl Stein rohes Eisen, oder Stahl bläßt oder giesset. Das Schmelzen wird hauptsächlich vom Kupf, Bley, gesagt.

 

k) Die Halle ist bey denen Bergwercken der Platz aussen am Berg, wohin der aus der Grube geförderte Berg, das ist, Schutt und wildes Gestein geschaffet wird.

 

l) Der Schacht ist der Zugang von oben Senckelrecht in die Grube hinunter. Ein Stollen aber ist horizontal nach der Wasser- oder Setz - Waag in den Berg hinein getrieben.

 

m) Darunter wird die Zeit verstanden, wie lang der Bergmann täglich zu arbeiten hat, und ist solche insgemein 6 Stunden. Schicht machen heist das hero, wenn man zu arbeiten aufhört, oder seine Schicht gethan hat, und aus der Grube fahret.

 

n) Sind die Eisen- und Kupfer- Schmelz-Hütten, mit darzu gehörigen Gebäuden, Kohlen-Plätzen, (wo die Kohlen gebrannt werden, ) Kohlen - Schoppen, - (wo sie hernach verwahret werden, ) Poch – und Wasch- Wercken, Rost-Ofen c. diejenige Kupffer Erze, welche nicht schon rein, woran nemlich noch Berg oder wildes Gestein, werden erstlich in dem, durch das Wasser-Rad getriebenen Poch-Werck mit schweren Stempeln gepochet oder klein gestossen, hernach im Wasch-Werck, welches hauptsächlich in einem grossen Heerd oder abschießig gemachten Tafel-Werck bestehet, worauf sich das dahin geleitete Wasser ergiesset, reingewaschen, und von dem Berg, oder Unart, welche als der leichtere Theil sich abschlämmet, gesäubert, sodann werden sie mit denen übrigen Erz-Stücken in dem Rost-Ofen mittelst Kohlen geröstet, oder ausgebrannt, und wann solches nach Beschaffenheit dessen Güte etliche mahl wiederholet worden, endlich, nebst vielen Kohlen, in den Schmelz-Ofen gestürzet, und geschmelzet, welches denn auch wenigstens zweymahl geschiehet. Mit denen Eisen-Steinen aber werden die ersteren Umstände nicht vorgenommen, sondern solche gleich in dem grossen Hütten-Schacht oder Ofen mit einer gewaltigen Kohlen-Glut geschmelzet, und rohes Eisen davon gegossen, zu welchem Ende, so wie bey dem Kupffer-Schmelzen, die durch das Wasser-Rad berveget werdende grossen Blas-Bälge ohnaufhörlich in den Ofen hinein blasen. Sonst hat man bey denen Eisen-Hütten ebenfalls ein Poch-Werck, wor innen aber nicht die Eisen-Stein, sondern die beym Eisen - Schmelzen abgefaumte Schlacken zerpochet werden, um die mitgegangene, und darinnen stecken gebliebene Eisen - Körner zu erhalten. Diese Poch-Stempel gehen im abschiessenden Wasser, welches die zerstossenen Schlacken mit fortreißt, die Körner aber als glatt und schwerer liegen lässet.

 

 

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