Als Weisthum wird eine historische Rechtsquelle bezeichnet, die in der Regel mündlich überliefert oder nach Verhandlungen protokolliert wurde. Grimm führt den Begriff zurück auf „kollektive Aussage rechtskundiger Männer über das bestehende Recht“, wobei hier in erster Linie der Vorgang der unmittelbaren Rechtsfindung gemeint ist und nicht die geschriebene Form. Vor Aufzeichnung der Weistümer wurden die mündlich überlieferten Rechtssätze dadurch lebendig und in Erinnerung gehalten, dass an festen jährlichen Thing- oder später Gerichtstagen die Gesetzessprecher bzw. Richter diese der Versammlung der Einwohner auswendig vortrugen.

Die Eingangsformel für die Rechtssätze lautete z.B.: ...wist der scheffen... oder ...so wisent si... dieses oder jenes Recht. Das waren z. B. das Recht des Grundherrn, eine bestimmte Abgabe von den Gemeindemitgliedern zu erhalten, einschließlich Bestimmungen über die Art und Weise der Leistungserbringung. Daher wurden die Richter auch als Wisende oder Weisende bezeichnet, also als das Recht weisende, nicht wissende.

Weisthum zum Westerwald von 1495

Uf mantag nach corporis Christi ist der herren gericht durch den zingraven[0] u. die gemeinen scheffen zu Westerwald gehalten, und minem gn. herrn gewist zu Emmergenhain anno XCV wie hier nachvolgt.

  1. Item zom ersten angestalt, ob ein gerücht ader viband geschrei ins land queme, wie lange der man sinem gn. herrn uf ein eigen kosten volgen solle?
    1. Wist der scheffen, von ußgange biss zu undergange der sonnen, und lenger uf sinen kosten nit.
  2. item zom andern male angestalt, ob sach wer, das sich die eigen u. voigthant undertast?
    1. Wist der scheffen, solt der mutter nachvolge geschehen.
  3. Item zom dritten mal angestalt, wie dicke einer minem gnedigen hern uf sin hus dienen solle?
    1. Wist der scheffen, im jar eins broit und eins win.
  4. Item zom vierten mal angestalt, wer sich waßer und weide gebrucht, wem die vorgulden sulle werden?
    1. Wist der scheffen, dem wolgebornen herren hern Henriche grafen zu Nassauwe und herren zu Bilstein, als einem oberherren zu Westerwalde, im jar eins zu vergelden, niemants ußgescheiden.
  5. Item zom funften mal, wer sich unrechtes maißes vlißt, es sei an druckem oder naßem, wie hoch man das verbüßen solle?
    1. Wist der scheffen, so hoch das vor der bank verboten wirt.
  6. Item zom sesten mal, wer sich von eigen luden voigtguter sonder wißen und willen mins gn. h. ader derjenen,
    1. Die das bevelhen von sinen gnaden halben, underwonde, solt solichs verbußt werden, wie hoch man das vor der bank verbuttt.
  7. Item zom siebenden mal, wer sich fischereien oder wiltbannen sonder wißen der herren ader derjenen bevelch darüber hetten underwind?
    1. Wist der scheffen die buß wie hoch das vor der bank verboten wirt.
  8. Item zom achten mal, wer sich sonder wißen mins gn. h. ader derjenen,
    1. Die das bevelch von sinen gnaden hetten, vremdes weidevihes underwind, soll gebüßt werden, wie hoch das verbotten wird uber die bank.
  9. Item zom neunden mal, wilzit die flurzäune und thor ge­macht sollen ein?
    1. Wist der scheffen, vierzehen tag vor Walpurgen, wer daran sumig wurde solt gebußt werden, wie hoch das von der bank verbotten.

Item uf diese gesprochen urteil ist der zingrave ufgestanden u. von wegen mins gn. h. mit dem schwert bekreftigt und bestetigt und alle in die höchste buße zwivaltig gewist; ist nemblich die höchste buß acht halber gl.

 

Weisthum zu Kirburg von 1461

Kirburg (mundartlich: Kirbursch, Kirberich) ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bad Marienberg an. 1215 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, er war damals der westlichste Pfarrort der Mutterpfarrei Haiger, dessen Grenzfluss „Nigra Morla“ dem Ort Mörlen den Namen gegeben hat.

Zu wissen, das in den jaren unsers herrn duisent vierhun­dert ein und sechzig auf maendach nae sanct Cathreinentagh ist ein lehnrecht zu Kyrburch under die linde bestimpt und geboten durch den edlen und wailgebornen herrn, hern Gerhart gra­ven zu Seyn[1], durch anbrengen des wirdigen herens hern Goedertz von Collen[2] abt zur zeit zu sanct Marienstatt, umb etliche gebreche, der abt und sein convent im kirspel Kirpurch mit den lehenlüden gehat haben. So hadt unser genediger her seiner genaden amptleude darbei geschicket, mit namen den vesten Johan von Selbach[3] Gerhartz sonn amptmann zur zeit zu Hachenburgh, und Arnoldt von Widerstein[4], Johannes Flammersfeld, Wil­helm rentmeister[5], Henrig Biberstein u. Henn Bezdorf scholtiß zu Hachenburgh u. Heinzen Keller, und der vorgeschr. apt ist khomen mit seiner conventsherren ein deil mit namen herr Reiffarth, herr Johann Dreißbach werkmeister, herr Rollmann keller, herr Johann Bezdorf, herr Henrich capellain des apts. So hadt der wirdige her der apt mit seinen broedern faste klage ange­lacht, die seinem gotzhause verkurzt und abgezogen wurden nach ausweisunge alter schrifte und brieben u. auch von alter kundschaft, das sich erfandt, das dem gotzhause faste verkurzt war. Das namen unsers gn. h. freunde auf zum besten zu stellen, das dem gotzhause verneiget sold werden u. solche gebreche abgestalt. Auch wart vorgelacht, wanne ein god bereit queme in das gewelde von eckeren, so wie sich der lehenherre und der lehenman halden solden. Das ward aber uf die alte schrifte und konde ausgesprochen durch die scheffen u. lehnlüde, das sei von ihren elteren gehoret hetten. das sprach Goedert Schmid von Kyrpurch aus von irer allerwegen des kirspells und sprach alsusten:

  1. Item wan kein gemein ekeren im walde enwere, so sold ein iglich sich leiden uf dem seine, u. dem gotzhaus in seinen hoiben, wisen, u. hegen nicht treiben oder einigen schaden thun.
  2. Item wann es aber ein gemein eckern were, so mach ein iglich lehenman, binnen dem kirspel gesessen des gebruichen mit seinen schweinen, die hee selbs uf seinem erven gezogen hette, u. der he das jaer gedechte zu genießen, und ad seine verken u. moiken u. faselschwein daheim halten, uf die höchste wette.
  3. Item solde kein lehnman einige schwein darauf nicht gelden ader zu hute nemen in keine weise, uf die hoichste wetten.
  4. Item sal kein lehnman, der da holz hette zu seinem lehn ge­hörig, das eckeren in seinem hofe schwingen oder lesen, uf die hoichste wetten. darumb sal sich der lehnherr auch gutlichen halten und den lehnman mit laißen genießen als sein eigen schwein. Darumb sollen die hoibmeistere ihre hoibe zu thun, das ihnen davon kein schade geschehe, doch sollent sei bleiben baußent seinen wiesen u. hegen.
  5. Item sal auch der lehenher das eckern nit zu sehr uberlegen, dan so viel schwein darin legen als ehr mit seinem cloister u. convent beduchte, habt er die nit, so mach er die stellen, wie in das allerbeet gelegen ist, da sal ihn der lehnman nit an hinderen, darumb sal mallich seine verken u. moiken daheim halden.
  6. Item wo ein lehnman sitzet baußent dem kirspell, der sal sich des eckeren nit gebrauchen, he thue das mit willen des lehenhern, noch keine gerechtigkeit im hogen gewelz haben.
  7. Item wo auch ein man binnent dem kirspel sehe, der kein lehenman were u. dem lehenhern seine gerechtigkeit nit endede als der lehnman mit erdagen, schnitdagen, kornfuere, der sal des nit gebrauchen in dem gewelde mit einigen stucken, id sei mit bawe, eckeren oder andern saichen, he thue das mit willen des lehenherrn im afzuwilligen.
  8. Item wo ein lehenman were, der von armoitz wegen kein schwein enhette, der sal das gütliche an den lehnhern bringen u. wes ihm der lehnher dahe gunnet mach he sich mit gebrau­chen, van bade wegen u. genaden.
  9. Item ein iglich lehnman ist bei seinen eiden schuldig dee gotzhaus schaden zu warnen gleich seinen selbst, u. auch die schwein auß andern kirspeln zurückzuhalten, als der lehnher selbe. were aber iemantz der da von nachbarschaft wegen it ge­brauchen solde, der sal dem lehnhern dat afwilligen, als gebürlich ist.
  10. Item wo ein lehnman bawen solde an seinem haus oder schewern, soll des gesinnen ahn den lehnherrn, so soll der lehnherr schicken seinen scholtißen mit zweien scheffen oder lehenleuden seine noitbawe zu besehen, was die dem erkennen van holze, he darbei behoift, hat he das dan in seinem eigen lehnholze, so sal he darbei blieben; hat her aber des nit und were vergangen von alter in seinem hulz, so sal der schulthiße mit zweien lehnmannen oder scheffen mit im gaen u. sol ime weisen, wo he hawen sulle in des lehnhern oder gemein holze, dat der gemein doch nit zu schedlich sei noch auch dem lehnhern; des sal dergiene der das holz hawen sal van iglichem stamme, he niederhewet, sein stammrecht geben als geburlich ist. darum ist verboden uf die hoichste wette ein iglichem das holz zu verwaren und nit furder zu schedigen dan zu seiner notturft, als vorgeschriben stehet, he sal des nit verwusten noch verkaufen noch zustecken zureißen, so manchen stecken als von im dar funden wurde an garten oder wiesen, so manche vm sch. wette sal der scholtiße von ihm haben, als dan das vor langen zeiten recht und gewonheit ist gewest, aal sein lehnholz feselen, als einen koil in seinem garten.
  11. Item ein iglich lehnman der da hat lehnholz, der sal das hegen und feselen und versorgen gleich seinen parten (1. garten) u. nit verwuisten noch verkaufen noch zureißen, u. willicher das dede, der sal sein lehn damit verloren haben an allirlei wider­rede, als das alwege von alders her recht u. gewonheit ist.
  12. Item in gemein geredt, so sol sich niemands des hogen geweldte gebruchen, he doe des dan mit des lehnhern willen, in maißen als vorgeschrieben stehet, u., wer lehnholz hat sol das wie vorgeschrieben feselen u. hegen, das he gerten darin haben moge zu seinen zewnen und sol in dem lehnholz und in dem hogen geweldte nit heidtschinden, nit woisten, noch roden noch kolen [3] uf die hoichste wette.
  13. Item were sache, das einige groiße bawholzer aiffielen oder aifgebrandt wurden in des lehnmanns holze, so mach he sich des afterschlags gebrauchen, des andern sal er nit forter gebrauchen sonder lehnhern willen, he en habe des dan noit an seinem hawse oder schewern zu verbawen.
  14. Item fiele ein holze in des lehnhern holze oder gewelz, das zu seinen hoiben gehoerich were, des sal sich kein man gebrau­chen sonder orloff, und die hoibe nit hinderen vorn oder hinden. Were aber, das ein holz fiele in der gemeine, da mach sich ein iglicher mit des afterschlags gebrauchen, und forters nit, als von alters recht u. gebürlich gewest.

Dieses alles wie obgeschr. ist geschehen auf tag zeit u. jaer wie oben stehet und in gegenwertigkeit vorg. gezeugen also be­williget, außgesprochen und angenommen, sich nun furters iderman darnach wiße zu halten etc.

 

Weisthum zu Kirburg von 1534

Am montag nach Martini anno domini am vier und drißig ist das gericht zu Kirpurch in biwesen des erwürdigen herren Henrichs von Clebergk[6] apt zu sanct Marienstadt, und des erenverten Johan von Ottensteins[7] seynischen amptman beheget u. ge­halten worden unserm gn. hern von Seyne und dem vurg. hern Henrichen apt, und von der vaide wegen jederem sein herlichkeit hoicheit u. gerechtigkeit, wie von alters, hant die scheffen u. lehnman eindrechtiglich gewist u. ausgesprochen wie nachfolget:

  1. zom ersten wisen si minem heren dem apte gebot u. ver­bot in und boußen der kirchen, indem klockenschall Kirbergk.
  2. item wisent si ouch ime zu waßer und weide binnent dem klockenschalle Kirbergk
  3. item wisent si ime vorter wiltfank und fischerei, doch abe ein gelustige frawe oder schwache menschen weren, mögen sich des zu irer notturft gebrouchen.
  4. item wisent si ime, wer disen tagh, so man die zinse liebert, außen bliebe, in de wette achten halben heller und nit weiders.
  5. item so wisent si ime de höchste wette in dem kirspell Kirpergk aller sachen funf schillink zu heben und nit hoher.
  6. item so wisent ime, so manich pferd ein ieglicher zur krippen furt, also manch malder korns sollen sie samentlich holen an der Laene zu Limpergk uf diser seiten, und nit daruber, zu aller sant Michelstag acht tag vor oder nach binnen der vierzehen tag ungeverlich.
  7. item so wisent si, wo ein fraw oder man sitzt, die kein pferd haben, sollen ime ein koirnfur an die Lane vurg. vergnugen.
  8. item so wisent si ime, so manich eigen rauch in dem klockenschall ufgehet, so manich weithune mein heren dem apte.
  9. item so wisent si meinem gn. h. grave zu Sain zu, wo ein man in dem klockenschalle in einem hause nidergehet, das beste heupt recht und nit dem apte.
  10. item so wisent si dem apte, ab jemand were und lehngut hait, dasselbigt versetzte, verspliße und verkeufte, wisent si ime ein missethat, doch gnad bei rechte.
  11. item so wisent si, ab jemand wer, der beßerung oder mistung buißent das kirspell furte, wisent ein miesethat, doch weisent si darbi, ab jemant wer des gute nit so vil hefte, sich darauf zu erneren, mag wol beßerung oder mistung darauf furen.
  12. item so wisent si, abe imant wer, der sin guit buißent das kirspell verspliße, wisent si ein missethat.
  13. item so wisent si, wer drittenhalben fuß kompt von sein lehen und uff lieber gut, hat das hinderste verlorn und das foderste gewonnen.
  14. item so wisent si, die binnen landes sint, drißig tage, und die buißent landes sollent kommen binnen jairen und tag.
  15. item so wisent si mein herrn von Seine zo, so wan ein misthedig mensch in dem kirspell wer oder darin queme, den sal ein graf von Seine richten seinem verbroch nach als ein gewalther, des sal er heben den zinten heller, den weinpfennink und die funf mark als vor die höchste wette.
  16. item wisent si ime apte, wan ein lehnman stirbet an libs erben, so wisent si ime das gut ledig zu.
  17. item so wisent si, wo einer sitzt in entfangener hant in sime lehen und von eim andern angesprochen wird, daß man ime mit liegen briefen, gedronken winkaufe, ader mit urlouen der scheffen austreiben sal, so wan er der stuck eins hat, dribt er in ause.
  18. item so wisent si, nachdem daß si disen tag iren zins geben, so vermeinen si die guter in, und wer roite, koilte in den hohen welden und uf einen eigen gutern dem apte zu scenden, wisen si ime ein missethat.

Urteil zu Kirpurgh geweist in beisein Johan von Ottenstein amptman der graefschaft Sein von wegen des wolgebornen mei­nes gnedigen herrn von Sein anno XXXIIV.

 

Weisthum zu Kirburg von 1537

Infra scriptae sententiae renovatae sunt per me Johannem Soibb notarium anno dni millesimo quingentesimo tricesimo septimo. sunt quoque supra dicte sententie ao dni millesimo ducentesimo (?) sexagesimo secundo juxta tenorem antiqui registri tunc temporis per scabinos villagii Kirpurch judicate, die siquidem lune Post festum divi Martini, et sonant de verbo ad verbum ut sequitur:

  1. Item zu den ersten setzt unser her ein orthell ann einen man, so wes dat gebot si in der kirchen und dat verbot vor der kirchen oder wat das recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude, das wir das den hern von sent Margenstat zo gewist han.
  2. Item zu dem anderen male, wem man zuweißt waßer und weide binnen dem clockenschall, was darumb recht si?
    1. Das be­kennen wir scheffen und leenlude, das wir das den heren von Merienstatt zugewist han.
  3. Item zu dem dritten mal, wem man zuwist wiltfank und fischerei binnent dem clockenschall wat darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude, das wir das den hern von Mergentat vor ein recht zo gewist han.
  4. Item zu dem viertenmal, so dat ein leenman verbrochen hat, der sinen zins nit gegeben het, wan der leenher sinen zins sol ufgehauen han, was dar vor recht?
    1. So han wir leenlude und scheffen gewist vor recht, das der man verwet hat v ß., und mag den anderen tag penden vor die v ß. und vor einen zins.
  5. Item zu dem funftenmal, so wo ein leenman sitzet, der da ein leen hab von dem gotzhaus, of der nit schuldig si zo dem jair eins dem leenhern sitz kornfoire zu doin an der Lann, ader wat darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude, so wilch man leen und gut hette von den hern von Mergenstatt, die ui zu dem jair eins zo der Lann faren und hohlen also manch malder, als hie sime gemaren pferdt zo dem plog furret, und das bekennen wir scheffen und leenlude, dat wir dat vur ein recht gewist han. Und wa ein man oder frauw seß, und het leene guid von den heren von Merienstat, und wer, dat hie kein pferd enhelt und gebrucht sich des lehens, so bekennen wir schaffen und leenlude, dat wir dat vur ein recht gewist han, der sah unserm herren ein maldern korns holen oder ime abverlieben.
  6. Item zu dem seistenmal, so wa ein man sitzet binnent dem clockenschall, der sich gebrucht waßer und weiden, die man dem gotshaus Marienstat zu gewist het, off der man den hern von Merienstat nit schuldig sei ein weidhoen zu geben, oder was darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude, so wa ein man sitzet binnent dem clockenschall und gebrucht sich waßer und weide, der sal geven den hern ein weidthoen, dat han wir gewist vor ein recht. id enwere sach, darß ein man seß uff seim eigen gut.
  7. Item zu dein sibentenmal, wa ein leenman von todeswegen abgieng, off dem lehenhern den nit ein bestheubt recht erfallen si, ader wat darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude und han vor ein recht gewist, dat hi erfallen ei den heren van Mergenstat mit einem besten heubde.
  8. Item zu dem echtemal, so wie lang der lenher des heubtrechtes entberen solde nach des lehenmans tod; wat darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude und han vor ein recht gewist, dat hie erfallen sie mit eime besten houbde, und sall binnen xxx tagen seines lehenguds gesinnen und sein heubtrecht besseren.
  9. Item zu dem neuntenmal, wat ein leenman verbrochen het, der sein lenne verkauft oder versetzt bußent wißen und willen des leenheren, und wat darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude, und han dat vor ein recht gewist, dat hie erfallen si mit der hoichster wet.
  10. Item zo dem zienten maile, wa ein leenman sei, der die besserung van des godshus guden furren wer, was der verbrochen hat, nachdem das alle jairen in der kirchen verboden wird, ader was darumb recht wer?
    1. Das selbig ist gewist in die hoichste wette.
  11. Item zu dem eilften mal, wo ein lehnman sitzet der da het ein lehen von dem gotzhaus, und dasselbig verspliß oder verdeilt unter sein kinder sunder wißen u. willen des leenherren, was der verbrochen hab, sintdiemal das alle jair clerlich verboden wirt, was darumb recht si?
    1. (hier fehlt die weisung.)
  12. Item zu dem zwolften mal, womit ein lehenman sin leben gewonnen oder verloren het, was darumb recht si?
    1. Das beken­net der scheffen und leenlude, so war iii foiß kompt von sime lene und uf lieber gude, der (hat) dat hinderste verloren, und hat das foderste gewonnen.
  13. Item zu dem drutzenten mal, wo ein man von tods wiegen abgegangen ist, wie lang der lenher den sipplingen dat gut unvorlustigen halden solde, die bußwendig und, inwendig weren, wat darumb recht si?
    1. Dat het man also gewist, die binnen landes seint, sollent kommen binnen xxx tagen, und die bußent landes sollent komen binnen jaire u. tag.
  14. Item zo dem virtzendenmaile, sintdiemal den herren von Mergenstat zo gewist wird gebot und verbot, waßer und weide, wiltfank und fischerei, warumb die weide sin u. warumb sie hieben den zinten hellink, und den werpennink und die v mark, wie sie darin kommen, wat darumb recht si?
    1. Das bekennen wir scheffen und leenlude, darumb dat beide sint und hiebet den zinten hellink und wißpennink und die v mark, darumb sullen si ab­stellen gewalde und overspiel, und ob ein misdedig mensch wer dat sullent ei nemen und idt rechten ain des cloisters und kirspels schaden.
  15. Item zu dem funfzehendemale, so wo ein lehenman sitzet und hat liehen und gude von den herrn von Mergenstat und stirbet ain ließerben, abe dat liehen den hern nit liedig u. lois erfallen si, ader was darumb recht ei?
    1. Das wiset man den herren ledig und los zo vor recht.
  16. Item zo dem seichzientenmal, wan ein sitzet intfangerhant in sime lene und von eim andern angesprochen wirt, so mit was stucken hie den uiß sime beseß bringen möge, wat darumb recht si?
    1. Das wieset man, daß man in mit ligen briefen und getrunkenen winkauf oder mit orkund der scheffen (...), so wanne (he) der stuck ein hat, so dribet hie inne auß.
  17. Item zu dem siebenzintenmail, wer koile oder rode, af der dem lehenherrn den dritten pfennink oder koile geben sal gleicher weis als von husern und schuren, oder waß darumb recht ist?
    1. Das bekennen wir scheffen und lenlude, wer das dut, kole oder rode, und die kuilen bußent das kirspel verkeufft, der sal dem leenhern geben den dritten pfennink ader koilen glicherweis auch von huseren und schueren.
  18. Zu deme achtzeigdenmal, so wan ein leenman ein leben verdeilte und verspließ, abe nit iglich spliß dem leenherrn ein hoen geben sull, af was darum recht si?
    1. Daruf wiset der scheffen dem leenherren zu vor recht, so manig spliß also mannig hoen.

 

Weisthum zu Kirburg von 1582

In gottes namen amen, kund u. zu wißen seie aller u. jedermänniglichen, denen dises gegenwertig offen instrument furkompt, dasselbig sehen, lesen oder horen lesen werden, das in den jaren als man zalt tausent funfhundert achzig und zwei, uff dinstag den 27 novembris zu Kirpurg in der graveschaft Sein u. der pfarkirchen daselbsten umb mittag zeit zwischen ailf und zehn uhren in namen und von wegen des wolgeb. graven u. herren hern Hermans graven zu Sein[7] m. gn. h. beneben andern jhr. gn. zu solchen actu verordneten und abgesandten in der person erschienen und gestanden ist der ehrenvest u. hochgelert herr dr. Justus Koch, der rechte doctor u. gravelicher seinicher raht u. diener u. nachvolgenden inhalts, in beisein des hern abtes u. damals anwesenden conventualen zu Marienstadt und der samptlichen ermelter kirspels Kirpurg angehorigen sainischen unterthanen sonderlich aber die elteeten desselben orts mündlich proponiert u. fürbracht.

So vil nun erstlich die strittige puncten dem vermeinten weisthumb einverleibt belangten, thete von wegen wolermeltes herrn hern Hermans gr. z. S. ehrg. herr d. Koch das ganz kirspel erforderen u. bei ihrer seelenheil u. seligkeit verlust fragen, ob nicht ihe u. allewegen die hern graven von Sain als berührten kirspels Kirpurg natürlich land oder schutz u. schirmher, in allen und jeder der hohen, mittel u. nieder obrigkeit anhangenden Sachen ihe u. allwegen gebott und verbott allein gehabt, wie auch noch?

item ob nicht in namen des abts zu Marienstatt je­der weil allein das lehengericht verkündigt, ihme wegen der lehenschaft gebürliche schuldige pachtzins u. rent zu liefern u. zu gwisser lonfarten u. andere lehendienst zu laisten, den kirspels lehenleuten offendlich angezeiget worden u. ob nit das jhenige, so von wegen des abts jederweil verkündigt, allein von wegen des lehngerichts zu halten? item ihme von wegen der lehngütere schuldige pacht zins und rendt zu lieferen auch daheren gebürend dienst zu leisten beschehen, weil aber der abt in angereg­tem seinem vermeinten weistbumb gebot und verbot anmacht, ob er dan ihemals einigen zwang gehabt oder herpracht u. was ihnen davon wißende? und ob auch den kirspelsleuten bewußt, sie auch bei ihrem gewißen sagen mogen, das sich ein abt zu M. außerhalb der lehenschaft in hohen sachen die hohe obrigkeit belangent ihemals geringsten einigen gebottes oder verbottes angemaßt?

Daruff der lehenmann einen abdrit und bedacht genomen, und nach gehapten bedacht durch mund Jacoben von Nenkhausen in namen u. von wegen irer aller und des ganzen kirspels offenlich anzeigen laßen, gebot und verbot hetten die herrn graven von Sein, so lange ihnen gedenke, in und außerhalb der kirchen alleine gehapt, u. des aptes gebot oder verbot erstrecke sich weiter nit denn allein uf seine lehengütter, es hette auch gedachter abt weder zwang noch volge niemals gehapt, auch noch nit.

Weiters thet mhergedachter herr d. Koch in namen und von wegen mher wolermeltes seines gn. h. gr. von Sain den lehenman bei ihren pflichten und aidten fragen, ob nicht wegen wasser u. waid im kirspel Kirpurg den graven zu S. als des kirspels rechten natürlichen land und oberherren ihe u. allwegen uber menschen gedenken das fleischgelt vom vihe u. ein weidhuen jherlich gelibert worden und noch? u. ob nit das huen, so abbt u. convent zu Marienstadt wegen ihrer lehnhove im kirspel erhoben, u. wie das huen heiße? item ob nicht die herren graven z. S. ihe u. allwegen uber menschlich gedenken die hohe und nider wildjacht, wie auch die fischerei gehapt u. noch? und was die eltesten wißend, wie es gehalten und herpracht worden seie, wann etwa in einer stellung dem abt hohe wild oder reher eingelaufen?

Daruff die eltesten u. das ganze kirspelsvolk abermals sich zu bedenken abgetreten u. nach kurz gehapten bedacht durch mund obg. Jacoben von Nenkhausen richtig und offenlich antwor­ten laßen: es were ihe u. altwegen einem graven von S. wegen waßer u. waid das fleischgeld u. ein waid u. faßnachtshuen, dem abt aber von wegen der lehenhove jerlich ein huen, so solcher aigenschaft halber ein rauchhuen benambt, gelibert worden, sol­ches were bei ihrem gedenkhen also herpracht und geübt wor­den. Was die hoch und niderjacht, item die fischerei anlangen, were ein grave von S. bei einiges menschen gedenken ihe u. alwegen der hochste iheger gewesen, auch von menniglich darfur gehalten worden, der apt aber habe allein hasengarn gehapt und darmit gestellet, und wann in einer stellung rehe oder hochwild eingelaufen, so habe ein grave von S. und der abt zu M. solch wildbret mit einander geßen, und hetten die herren zusammen ge­fischt.

Verner thete obgedachter herr d. Koch weiter fragen, ob nit im kirspel K. ihe und allwegen der gebrauch gehalten worden u. noch, da ein nachbar desselben orts thods halben abgeht, das alsdenn die erben das kirmuth oder besthaupt ihrem landherrn ben h. gr. z. S. alein u. sunsten niemandts anders entrichtet und dezalet haben u. noch?

Darauf der alt schultheiße zu Bredhausen in namen u. von wegen des ganzen kirspels u. lehnmans nachvolgende antwort geben: wann ein nachbar oder haupt außer einem haus gestorben so habe ihe u. alwegen wie auch noch ei­nem graven zu Sein ain kurmuth oder hauptrecht gebärt. dann er als sainischer schultheis hab es etlich vilmal und vor dreis­sig jharen erhoben und Sain gelibret.

Noch thet vil gedachter herr dr. Koch verner fragen, ob nit die herrn gr. z. S. als ordentliche obrigkeit die hohen wetten allein erheben laßen u. noch? ob auch deren eltesten oder je­mands wißend, das der abt vön jemandts wetten gehaben, es were auch von seinen lehenrechts gütern oder sonsten? Item ob auch dem abt oder closter lehengüter heimgefallen wann erben vorhanden ? und da ein hausman uf seinen lehen oder eignen gütern roden oder kolen machen werde, ob er dem abt etwas darvon zu geben schuldig?

Worauf der lehenmann des ganzen kirspels durch mund berürtes alten schultheißen zu Bredhausen wohlbedechtlich antworten laßen: das die wetten gehörten ainem graven zu S. allein zu heben, und es wüste und könte sich niemandts außer ihnen berichten, das ein abt von M. ihemals ainichte wetten oder bruchten von des kirspels unterthanen geha­ben. So weren auch die criminal oder peinliche Sachen, item schuld oder schaden vor einem jederzeit regierenden graven zu S. verthedigt u. verschlichtet worden. Was die lehengüter anlanget, gaben sie die eltisten disen bericht: so lange ein gesipt von den erben derselben lehengüter vorhanden, falle dem abt oder closter nichts heim, sondern sie stürben dem selben gesipt zu; und da ein hausman uf seinen le­hen oder eigen güteren roden oder kolen machen würde, seie er dem abte davon nichts zu geben schuldig; da aber einer uf des abta eignen gütern roden oder kolen machen thette, der mueste ihme dem abt ein vergnuegung thun.

Weitter thete oft und vilgedachter h. d. Koch die eltisten u. ganze gemeind fragen: wer gebickh, wege oder stege im kirspel habe? item wer die gebickh gehegt, gehawen, auch die schlege gemacht und erhalten?

Deruff sie einhelliglich sonderlich aber Johan Kray gewesener waldförster dise antwort gaben: die graven von Sain hetten ihe und allwegen die schläge machen, die selben nach ihren gnaden gefallen uf u. zuschließen, desgl. auch die gebückh hegen und pflanzen laßen.

Letztlichen hat mher vilgedachter her d. Koch die eltisten und die ganze gemeind offenlich gefragt: wer maß u. gewichte im kirspel zu geben und andere ordnung und anstellung zu machen?

Hieruf bekanden sie offenlich, das ein grav von Sein solches zu thun habe, dan die sainischen schultheißen und geschwornen hetten ihe und allewege solange ihnen gedenkhe maß, gewicht u. andere anstellung im kirspel geordnet. Solches u. alles an­ders wie oben an unterschiedlichen orten vermeldt und angezeiget name dickgemeldter her d. Koch von wegen seines gn. h. für bekandt an und protestirt offenlich gegen des abbtes wider altherkommen angefangene newerung, requirirt u. erfordert mich notarien untenbenant solches alles vleißigen in notam zu nemmen, wolgeb. seinem gn. h. saines oder mher inetrumenta so vill ihro gn. deren vonnoten daruber zu verfertigen und mitzutheilen. Geschehen sind diese ding etc.

 

Weisthum zu Emmerichenhain von 1556

Am 7. Juni 1969 wurde Emmerichenhain Stadtteil von Rennerod.

Uf heut mitwochen nach s. Görgen des ritters tag das marktgericht gehalten zu Emmerichenhain a. 1556. Und ist erstlich sobald sich der zentgrave und die scheffen dieses Emmerichenhainer gerichts niedergesetzt der kaiserl. freiheitbrieve öffentlich vor allem umbstant verlesen u. publiciert worden.

Darnach hat der zentgrave an die scheffen gestellt, mit weme dieser marktsgerichtgedinge geheget und besetzt werden soll?

Daruf bat der scheffen zurecht erkennet, solch gericht soll mit den wolgebornen herren Bernharden und Johannen gevettern gra­ven zo Nassaw und herren zu Beilstein als oberherren des We­sterwalds und inhaber der erlangten brieve und bulla gehalten, gehegt und gehandhabt und besetzt werden mit iren zentgraven und scheffen u. wen sie mehr jederzeit darzu verordnen werden.

Diesem nach hat der zentgraf in narren obg. oberherren solch gericht gehegt u. gedingt. Volgente hat der zentgreve von beider obgem. oberhern we­gen zu recht gestelt, wo einer were der diese keiserl. marktsfreiheit übertreten u. darin gefrevelt hett, wie hoch derselbig ver­fallen sei?

Daruf hat der scheffen vor recht gewist, wo jemand wider die obangezeigte erlangte freiheit gehandelt und daruber gefrevelt hette, soll mit der poen verfallen sein wie die keiserl. freiheitsbrieve inhaltet u. ausweiset.

 

Weisthum zu Rotzenhain von 1537

Rotzenhain wurde am 3. Juli 1937 in Rotenhain geändert und ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Westerburg an.

Copia alter vogtei weistumbs uber das faathgericht u. darunder geseßene vogtmenner, so ufs haus Hadamar gehörig. Anno tausend funfhundert dreißig sieben haben die vogtschultheißen und schöffen faathgericht uf mitwoch fur s. Michelstag zue Rotzenhain gehalten und die faathzingel oder bezirk un­ser gnediger herrschaft u. andere gerechtigkeit geweist, wie her­nach volget.

Item gehet der faathzingel ahn zue Emmerichenhain am Stege, der uber die Nister gehet, da der kirchpaat zu Rehe uber gehet, da von dan die deufft die Nister herin bis in die Hornister, die deufft der Hornister heraus bis in die Lachheimer bach, die Lachheimer bach heraus bis ahn der vier herrn stein, von der vier herrn stein uber die Woellenhain herein bis hinder Dreifelden in die bach, da von dan bis in die Mortheßeln, da von dan bis ghen Derdorf, von Derdorf bis in die Aldeck, darvon bis ghen Hammerstein in den Rhein, als wie weit einer mit einem pferdt reiten kann und dan furter mit einem huphamer gewerffen kan, den Rhein heraus bis ghen Mühln in Dahl, den Thall heraus uber die Kadenbacher heid bis an die gehawen straß in Monthabaur waldt, durch den waldt die straß herein bis ghen Monthabaur ahn die schöffen porz, von der schöffen portz den stein­weg heraus bis ahn die Helnmoller, von der Helnmoller bis an den Hildenstock, vom Hildenstock bis niedig Elß ahn den steg, vom steg bis ghen Offheim, von Offheim bis ghen Beselich, von Beselich bis ahn den knoden, vom knoden bis ahn den spitzen stein, vom spitzen stein bis an die Wiedenheck, da von dannen bis an Fuhrmanns hof, da soll sitzen die fraw in der fathei u. der man in der graveschaft Beilstein, vom Fuhrmanns hof die hoech ahn went heraus bis an den Kochenstein, vom Kochenstein bis ahn die Mengwies Heene, die Heene herein bis an den Reers kirchpat, den kirchpat herab bis ahn den steg wieder ghen Emmerichenhain. das ist der zingel oder bezirk der vogtei die ghen Hadamar gehörig ist ufs haus, und ist ein freier uberzugk. welch fraw oder man sich binwendig den zingel nieder schlegt und hat jhar u. tag darin gewohnet, den sollen die faathherrn annehmen fur ein fathman oder fraw, und sollen zweimahl in die beedt ge­schnitten werden, soll ain dienst thun, das ist einmahl brodt oder wein ahm nahisten am Rhein holen, und ghen Hadamar uffs haus führen, und nichts weiteres schetzen.

Zum andern haben solch faathleuth die freiheit, welches jhar oder tag darin gewohnet und sich darin nicht ernehren könte, der mag trei tag u. sechs wochen sein gut im lenzen brauchen, in solcher maßen daß er kein fewer zu scheren soll, sein stab fur die thür stellen, den mantel ahm hals halten, die wagendeissel zum hof auskehren, u. soll bei den voigtschultheßen gehen u. mit ihme rechnen, damit er dem voigtherrn nichts schuldig pleib; kan er den schultheßen nicht kriegen, soll er ein faathscheffen nehmen, kan er kein scheffen kriegen, so soll er ein ge­meinen faathman nehmen, kan er kein faathman kriegen, so soll er sein urlaubsschilling, das sind drei heller, uf die oberthor legen und soll alsdan frei anziehen. Ob es sach wehr, daß er im feldt halten plieb u. käme der voigtherrn einer reiten u. sehe ihn da halten, so soll der herr absteigen oder sitzen von seinem pferdt, u. soll ihme anhelfen, u. soll derselb vogtman alsdan in die negste vogtei ziehen u. in keinen freien flecken, damit daß er sich stell als ein fahrnman. Wo deßelbig man sich nicht also inhelt u. in einem puncten uberfahren würde, dem mogen unsere gn. vogtherrn nachfolgen uher ein schiffreich wasser u. ihn ahnnehmen als vor einen eigen man, und soll der freiheit beraubt sein.

Auch so helt man solch faathgericht zweimahl zu Rotzenhain uf zween pflichtag, mit nahmen uf mitwoch fur s. Johannustag u. uf mitwoch fur s. Michelstag, uf dieselbe zween pflichtag so soll sich ein jeglicher hauptman aus dem haus das faathleuth seindt, fur gericht erscheinen, u. den weisthumb hören, damit sich keiner endschuldigen könte, daß er wiß, wie er aus der vogtei ziehen soll, und wer es sach, daß einer den pflichtag sonder redlich ursach nit fur gericht käme, den weist man, daß der schultheß ihn pfendten soll fur zehenthalben pfennig der gilt ei­ner 2 ½ (?), und soll dannoch sein pflichtag verhüten.

Auch weist der scheff fur recht, daß dieselbige faathleuth, sie seien geseßen under was herrn sie sitzen, sich umb schulden und schaden ahn keinen andern rechten suchen den ahm faathrechten.

Solch weintumb wie oben geschrieben stehet veruhrkunth der faathschultheß von der faathherrn wegen, deß mir Osterman itzt zur zeit faathschultheß, und faathscheff Christ von Wolffringen, Heubeln Heintas von Wolffringen schreier, Johann von Meude, Cunz zentgreve zu Rendenrock, Müllers Jacob von Rendenrock und Jost von Mittelhoben, alle faathscheffen, erkennen u. uf unser eidt nehmen, daß solch weistumb ahn uns also bracht u. von unsern vorfahren also herbracht ist, und mir also bisher gehalten han.

 

Weisthum zu Steimel 1670

Steimel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Puderbach an.

Die marktfreyheit gehet acht tage vor dem markt an, und währet acht tage nach dem markt, und gehet an von Steimel bis nach Hachenburg, ans Wetterkreuz bis an die Haanburg, von der Haanburg bis nach Freylingen an die hainbuchen, von den hainbuchen bis gen Erlich in den Rhein, so weit als man mit einem pferd reiten kann und dann noch mit einem hufhammer fortwerfen kann. Dabinnen alle hochheit, recht und gerechtigkeit zu richten über halsz und bauch, auch jägerey und fischrey, und wer sich darinnen vergreifen wird mit scheltworten, schlagen etc. der soll meiner gnädigen herrschaft verfallen seyn mit einer hand und mit einem fusz und sinem fränkischen fuder wein, doch stehet gnad bey recht etc.

 

 

 

Anmerkungen:
 
[0] unter Vorsitz des zingraven als herrschaftlichem Beamten trat das Zentgericht bestehend aus den gemeinen scheffen zusammen und sprach Recht. Der Name Zin oder Zent stammt von lateinisch centum „Hundert“. Ein Zentgericht, das Gericht einer Zent, ist also das Gericht einer Hundertschaft. Der Bezirk eines Zentgerichts wird als Zent(e) oder Cent bezeichnet und umfasste meist zwischen zehn und dreißig Orte.
[1] Gerhard II. Graf von Sayn-Sayn (1452–1493), https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Sayn#Erste_Grafen_von_Sayn
[2] Gottfried I. (Godert) von Köln, 23. Abt von Kloster Marienstatt 1459–1462, http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Marienstatt/%C3%84bteliste
[3] Johan von Selbach, Amtmann von Gerhard II. Graf von Sayn-Sayn https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_von_Selbach
[5] Rentamt, auch Renterei oder Rentei, ist der Begriff, der seit dem Spätmittelalter für die Behörde der landesherrlichen oder kirchlichen Finanzverwaltung (hauptsächlich Einkünfte aus Domänen) unter der Leitung eines Rentmeisters oder Rentamtmanns stand. Später bezeichnete „Rentamt“ eine Behörde zur Verwaltung der grundherrschaftlichen Einnahmen.
[6] Heinrich III. von Kleberg, 27. Abt von Kloster Marienstatt 1519–1542, http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Marienstatt/%C3%84bteliste
[7] Johann von Ottenstein, Amtmann der Grafschaft Sayn.  Der vor 1569 verstorbene Johann von Ottenstein hatte ein Mannlehen in Steineroth.
[7] Hermann Graf von Sayn-Sayn (1560–1571), https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Sayn#Erste_Grafen_von_Sayn