Nur zum Wissen

 Über die Westerwälder, ihre Tätigkeiten zum Broterwerb und alles andere, nur so zum Wissen...

 

 

Ursprünglich waren Mühlen Eigentum der Markgenossenschaft. Das Wasserrecht gehörte allen Bewohnern einer Gemarkung gemeinsam, somit war auch das Mühlenrecht gemeinschaftliches Recht; jedoch nicht nur Recht, sondern auch Pflicht! Die Unterhaltskosten der Mühle, der Verwalter oder Bewirtschafter, der seinen Anteil von dem Gemahlenen bezog, die Mehlabgabe (Molter), das alles trug die Markgenossenschaft gemeinsam. Als diese sich erweiterten, entstanden die Zenten, welche bald auf die Kirchspiele übergingen. In dieser Zeit kam auf jedes Kirchspiel eine Mühle, die der Fronhofsgenossenschaft, der Zente oder dem Kirchspiel diente. Sie unterstand dem Grundherrn, der aus dem weltlichen oder geistlichen Stand sein konnte. Somit war aus dem freien Bauer der Markgenossenschaft und aus dem Müller ein Höriger geworden. Der Bauer wurde zum Teil sogar Leibeigener; viele Müller waren ebenso "Ding und Sach des Herrn", dem sie mit Leib und Seele gehörten, der sie verkaufen und verschenken konnte.

Hachenburg verdankt seine Gründung im Wesentlichen der Tatsache, dass der Ort an einer überregionalen Straße lag, im Westerwald die "Köln-Leipziger" genannt, die aus dem Kölner Becken nach Thüringen und Sachsen führte und damit eine der bedeutenden West-Ost-Achsen des Reichsgebietes bildete1).

Die Köln-Leipziger ist eine sogenannte Altstraße, ein historischer Weg, der in einem Wegenetz wichtige Städte und Orte miteinander verbindet. Altstraßen waren mit Ausnahme von Römerstraßen unbefestigte Naturwege, deren Verlauf sich nach der Geologie und der Topographie des Gebietes richtete, durch das der Weg führte. Die Täler waren im frühen Mittelalter Europas oft noch mit dichtem Auenwald bewachsen und mäandernde Flüsse und Flussmündungsgebiete stellten für viele Reisende unüberwindbare Hindernisse dar. Daher wurden Höhenwege (lateinisch auch "strata alta" – Hohe Straße, vielleicht daraus „Altstraße“) entlang von Wasserscheiden bevorzugt. Deren Ursprung lässt sich oft bis in germanische beziehungsweise keltische Zeiten zurückverfolgen2).

Mit der zunehmenden Verkehrserschließung des Westerwaldes und der damit verbundenen Mobilität kam es seit dem 19. Jahrhundert ständig zu großen Veränderungen der Lebensgewohnheiten. Altes Brauchtum geriet in Vergessenheit, Trachten sind längst abgelegt und die Mundart wurde vernachlässigt. Städtische Vorbilder führten zur Umbildung des Begriffs- und Wortvorrats. Das neue Weltbild und die Umgestaltung der Geisteshaltung der Bewohner trugen ähnlich wie in anderen Mittelgebirgslandschaften wesentlich dazu bei. Doch hat sich der Westerwald in den letzten 100 Jahren zu einer immer mehr gefragten und beliebten Landschaft entwickelt. Das Heimatbewusstsein ist gestiegen, man bekennt sich als "Wäller", als Westerwälder. Zu dieser Entwicklung hat der Westerwald-Verein viel beigetragen.

Kurz nach 1871 erbauten die drei Brüder Schürg im Nistertal an der Arfelder Brücke unterhalb der Stadt Hachenburg ein Sägewerk, das mit Wasserkraft betrieben wurde. Bei dieser "Schneidmühle" richteten die Brüder um 1885 ein Ausflugslokal ein. Als man am 20. Juni 1887 den 25. Jahrestag der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches feierte, war ein Ausflug an die Schneidemühle Teil des Festtagsprogramms. Damals war Wilhelm Schürg Mitbesitzer und Wirt des Lokals. 1907 brannte das Sägewerk ab, wurde aber neu aufgebaut. Das weithin bekannte und als Ausflugslokal beliebte Hotel-Restaurant Schneidmühle musste 1971 dem Bau der Nistertalstraße weichen. Der Name Schneidmühle ist danach auf die neu errichteten Gebäude der Straßenmeisterei Hachenburg übergegangen.

Das Denkmal des französischen General Marceau steht in einem Waldstück oberhalb Höchstenbach an der B8. Die französischen Truppen zogen sich 1796 über den Westerwald zurück. Am 19. September 1796 gegen 10.00h bezog Marceaus Korps Stellung zwischen dem Waldrand von Höchstenbach und Wahlrod. 6 Geschütze bedrohten den Waldausgang. Gegen 11.00h befand sich Marceau auf einem Erkundungsritt. In seiner Begleitung waren der Genie-Capitän Souhait, vier Jäger zu Pferd, darunter seine beiden Ordonanzen Martin und Albert.

In Kirburg bestand eine kleine jüdische Gemeinde1), seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Filialgemeinde zu Hachenburg (seit 1853 offiziell angeschlossen: damals Antrag auf Zusammenlegung der Kultusgemeinden Höchstenbach, Kirburg und Kroppach zur Kultusgemeinde Hachenburg). Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17./18. Jahrhunderts zurück. Erstmals werden 1689 Juden am Ort genannt. 1749 wurden fünf jüdische Einwohner gezählt. Bis 1798 war die Zahl jedoch auf zwei zurückgegangen.