Geschichte(n) aus Canada

Von 1776 bis 1933 waren die deutschen Zuwanderer aus dem Reich in Kanada eine Minderheit. Die Mehrheit der Deutschen kam aus Ost- und Südosteuropa. Dies hing damit zusammen, dass einst privilegierte Gruppen ihren Status verloren, die nationalistische Politik der europäischen Staaten sich zunehmend gegen Minderheiten richtete, eine Politik, die durch den aufkommenden Rassismus verstärkt wurde. Hinzu kam der ökonomische Niedergang dieser meist ländlichen Gemeinden, die partiell von ihren Märkten abgeschnitten wurden.

Fast die Hälfte der vor dem Ersten Weltkrieg im Westen Kanadas lebenden Deutschen kam aus Russland. Auch nach dem Krieg stellten sie allein ein Drittel der deutschen Zuwanderer. Bei Beginn des Krieges lebten rund 1,8 Millionen Deutsche in Russland, von denen drei Viertel in relativ homogenen, katholischen, lutheranischen, baptistischen, mennonitischen und hutterischen Gemeinden lebten.

Die zweitgrößte Gruppe kam aus Galizien, das 1772 an Österreich-Ungarn kam. Es waren meist Lutheraner, die sich jedoch nach 1867 einer zunehmenden Ablehnung gegenübersahen, sowie einer erdrückenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rückständigkeit.

Eine schon erheblich kleinere Gruppe stellten die Deutschen aus Lettland und Estland dar, die als baltische Deutsche nach Kanada kamen. Sie bildeten bis zur Unabhängigkeit der baltischen Staaten, die die Sowjetunion wieder beendete, die dominierende Schicht, doch wurden sie zwischen den Kriegen entmachtet. Sie wurden in Folge des Hitler-Stalin-Pakts ins Deutsche Reich umgesiedelt. Auf diese Art kamen 59.000 Deutsche aus Lettland und 17.000 aus Estland.

Auch der Exodus der Donauschwaben führte einige von ihnen nach Kanada. 1911 waren bereits 20 % von ihnen nach Nordamerika gegangen. Sie galten als ungarische Deutsche. Am Ende des Zweiten Weltkriegs flohen von den 550.000 Donauschwaben aus Jugoslawien 350.000 westwärts. In Rumänien lebten nach dem Ersten Weltkrieg Deutsche in Siebenbürgen (237.000), in der Bukowina (80.000) und Satu Mare (31.000); in der Dobrudscha (13.000) und in Bessarabien (80.000). Diese Gruppen bildeten Netzwerke von Kettenauswanderungen. So wanderten etwa ab 1885 ganze Dörfer aus Bessarabien aus, um in Westkanada einen Neuanfang zu wagen.

Wieder anders verlief die Entwicklung bei den Sudetendeutschen. Sie kamen in zwei Wellen ab 1939, als die Gegner der Nationalsozialisten 1939 flohen, und ab 1945 eine erheblich größere Welle, als die Deutschen aus der Tschechoslowakei flohen.

Quelle: Deutsche in Kanada, 2019

 

 

Walter Emil Steup wird 1891 in Braunschweig geboren, als Sohn des Friedrich Emil Steup und seiner Ehefrau Auguste Agnes geb. Lieder.

1910 immigriert er nach Kanada. Im „Census of Canada 1911“ wird er als Knecht im Haushalt von William J. Olmsted geführt.

Im gleichen Zensus wird Violet Low als Adoptivtochter der Olmsteds aufgeführt.

Violet wird 1897 als Tochter von William Low und seiner Ehefrau Clara Agnes Craig in Schottland geboren, erlebt aber den letzten Teil ihrer Jugend als Waisenkind. Zwischen 1869 und den späten 1930er Jahren wurden über 100.000 jugendliche Heimkinder von den Britischen Inseln nach Australien, Kanada1), Neuseeland und Südafrika geschickt. Sie wurden, oft ohne Kenntnis der leiblichen Eltern, aus den Kinderheimen des Mutterlands in die überseeischen Dominien verschickt – offiziell, um einem „besseren Leben“ entgegenzusehen, tatsächlich aber vor allem, um als billige Arbeitskräfte in der neuen Heimat ge- und oft auch missbraucht zu werden, und insgeheim schließlich, um „den Bestand an gutem weißen Nachwuchs zu erhöhen“, wie es einst in zeitgenössischen Dokumenten hieß.2)