Karl Steup wird am 30 Dez 1888 in Marienberg geboren, als Sohn des Schreinermeisters Louis Steup und seiner in Eichenstruth geborenen Ehefrau Wilhelmine geb. Schmidt. Am 21. März 1912 heiratet er Emma Luckenbach, geb. am 26. Dezember 1890, Tochter des Schreinermeisters Eduard Luckenbach und seiner Ehefrau Hermine, geb. Jung zu Waigandshain. Der Ehe entspringen vier Töchter und ein Sohn.

Bis zu seiner Pensionierung 1934 arbeitet er als Eisenbahnschaffner.

Karl war Bibelforscher (Zeuge Jehovas) und wurde deshalb im Konzentrationslager Niederhagen interniert [1]. Er übersteht die Internierung und lebt nach Kriegsende wieder in Marienberg.

Das Konzentrationslager Niederhagen war ein temporäres nationalsozialistisches Konzentrationslager am Ortsrand von Büren-Wewelsburg und entstand 1941 aus dem Außenlager Wewelsburg, einem Nebenlager des KZ Sachsenhausen.

Seit 1939 setzte der Reichsführer SS Heinrich Himmler KZ-Häftlinge zum Umbau des Bergschlosses Wewelsburg ein. Gemäß Himmlers Vorstellungen sollte nach dem „Endsieg“ die Wewelsburg Mittelpunkt der Welt werden. Aus dem KZ Sachsenhausen wurden Häftlinge in das Außenkommando Wewelsburg geschickt. Auch beim Bau des Führerhauses I, der Villa des Architekten Hermann Bartels, in der Waldsiedlung, im Straßenbau und im Steinbruch setzte die SS die KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter ein. Die Arbeitsgruppe, die zunächst noch als Außenkommando arbeitete, war den Wetterverhältnissen schutzlos ausgesetzt. Daher wurde schließlich ein Schutzhaftlager in Niederhagen neu erbaut, genannt Außenlager Wewelsburg. In das neue Lager wurden weitere Häftlinge geschickt. 1941 erklärte die SS dieses Lager, das noch zum KZ Sachsenhausen gehörte und etwa 480 Gefangene zählte, zum eigenständigen KZ.

Zu den rund 3.900 Häftlingen zählten sog. Bibelforscher (Zeugen Jehovas), politische Häftlinge, Roma, Homosexuelle, Juden, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Frankreich, den Niederlanden und Belgien. Fast ein Drittel von ihnen überlebte die Haft nicht. [2]

Kommandant des Konzentrationslagers Niederhagen war der Hachenburger Adolf Haas.[3]

Adolf Haas wurde am 14. November 1893 in Siegen geboren und wuchs seit 1895 in Hachenburg auf. Nach Abschluss der Volksschule machte er eine Ausbildung zum Bäcker und Konditor, anschließend zum Bäckermeister.

Am 1. Oktober 1913 wurde er zum Militär eingezogen und am 12. Januar 1914 als Soldat der Marine-Artillerie nach Tsingtau (heute Qingdao, eine Hafenstadt im Osten Chinas) verschifft. Dort geriet er am 7. November 1914 in japanische Kriegsgefangenschaft und kam schließlich in das Kriegsgefangenenlager Bando in Japan, aus dem er im Dezember 1919 entlassen wurde.

Ab 1925 war er Inhaber einer eigenen Bäckerei in Hachenburg.

Der NSDAP schloss er sich am 1. Dezember 1931 an (Mitgliedsnr. 760.610) und trug damit den Ehrentitel "Alter Parteigenosse". 1932 trat er in die Allgemeine SS ein (SS-Nr. 28.943).

Er war auch im Hachenburger Stadtrat aktiv.

Adolf Haas war auch an der Erstürmung der Synagoge in Mogendorf beteiligt. [4]

Im Oktober 1935 gibt Adolf Haas seinen Bäckerbetrieb in Hachenburg auf und übernimmt in der "Allgemeinen SS" als hauptamtlicher SS-Führer die Leitung eines Sturmbannes.

1936 erfolgt die Beförderung zum Sturmbannführer der "Allgemeinen SS".

Am 1. März 1940 wurde er trotz oder gerade wegen seiner "Fähigkeiten" [5], zur Dienststelle "Inspekteur der Konzentrationslager"  im KZ Sachsenhausen abkommandiert. Dort wurde er im selben Jahr zum Schutzhaftlagerführer ausgebildet

Nach 3 Monaten wurde er zum Obersturmführer d.R. der Waffen-SS [entspricht Oberleutnant] ernannt [6] und übernahm am 14. Juni 1940 ein neues Amt. In Wewelsburg südwestlich von Paderborn hatte er ein Arbeitslager, das spätere Konzentrationslager Niedernhagen, aufzubauen. Dessen Insassen hatten hauptsächlich Bauarbeiten rund um die Wewelsburg, Himmlers SS-Kultstätte, auszuführen. Ein früherer Häftling in Wewelsburg, Otto Preuss, erinnert sich 1984: "Er (Haas) nannte sich einmal auf dem Appellplatz, seine Hände in die Seiten gestemmt - die sahen ja alle furchtbar aus, weil sie Uniform anhatten, die waren ja erst dann richtig da - 'Ich bin der Herrgott von Wewelsburg!... '". [7]
Bis zur Auflösung des Konzentrationslagers Niedernhagen am 30. April 1943 fanden dort 1.285 Häftlinge den Tod. Stets wurde als Todesursache "Entkräftung und Krankheit" u.ä. genannt.

Am 20. April 1941 erhielt Haas als KZ-Kommandant seine Beförderung zum SS-Hauptsturmführer d.R. in der Waffen-SS [entspricht Hauptmann].

Noch im April 1943 wurde Adolf Haas zum Kommandanten des "Austauschlagers" Bergen-Belsen bestimmt. Hier wurden Juden "bevorratet", die man zum Austausch im Ausland internierter Deutscher zu "verwenden" gedachte.

Adolph Haas, am 9. November 1943 zum SS-Sturmbannführer d.R. in der Waffen-SS [entspricht Major] ernannt, war bis zum 2. Dezember 1944 Kommandant von Bergen-Belsen. Während seiner Kommandantenzeit starben dort 1.745 Häftlinge.

Am 20. Dezember 1944 schied Adolf Haas aus dem KZ-Dienst aus. Die Gründe für seine Ablösung bleiben unklar: Genannt werden Unfähigkeit und Korruption. Er soll auch in Ungnade gefallen sein, weil er sich von einem jüdischen Gefangenen porträtieren lassen habe.

Haas wurde als Kommandeur des SS-Panzergrenadierbataillons 18 an die Front versetzt. Dort verliert sich seine Spur. Als "verschollen" geltend wurde er am 18. August 1950 durch das Amtsgericht Hachenburg für tot erklärt. [8]

 

 

Quellen:
[4] Jungbluth, Synagoge Mogendorf S. 105 Zurück
[5] Dienstliche Beurteilung v. 4.10.1937 (Auszug): "SS-Sturmbannführer Haas als Führer eines Sturmbannes im allgemeinen geeignet. Es hat sich jedoch erwiesen, dass er in der Führung eines ländlichen Sturmbannes besser ist. Im Schriftwechsel sind seine Leistungen nicht immer ausreichend; hier bedarf er dringend der Unterstützung schriftgewandter Referenten. Seine Verwendung in höheren Stäben oder überhaupt höheren Dienststellen ist nicht gegeben. Bei den wachsenden Anforderungen, die an einen SS-Führer gestellt werden müssen, wird jedoch in späterer Zeit auch seine Belassung in der jetzigen Dienststellung in Frage gestellt sein. Sein Können liegt im Besonderen in der Beherrschung der Kommandosprache sowie im Exerzierdienst; sein Auftreten führt leicht zu einer Überschätzung seiner Person und seines Könnens. [Personalakte im Berlin Document Center des Bundesarchivs]
[6] Die SS-Führer der Allgemeinen SS wurden keineswegs mit ihrem Dienstrang in die Waffen-SS übernommen.
[7] Zit. nach: A. Ruppert / W. E. Brebeck: Wewelsburg, in: J. Meynert / A. Klönne, (Hrsg.): Verdrängte Geschichte - Verfolgung und Vernichtung in Ostwestfalen 1933 - 1945 / Bielefeld 1986, S. 323-372, hier: S. 326.
[8] Hüser, Wewelsburg S.75ff; Güth/Kempf/Frank 2002 S. 94 Anm. 3; Struif, Hachenburg S. 225f.
 
 
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